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SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD - Die 8-Bit-Nerd-Lovestory

"Scott Pilgrim vs. The World" - Die 8-Bit-Nerd-Lovestory

 

 

   Der Traum, für die Angebetene überwältigende Songs zu schmettern und böse Kerle zu vermöbeln in der 8-Bit-Videogame-Nerd-Fassung - auf dieser zugegeben einfacher, aber dafür überraschenderweise neuartiger Prämisse gründet Edgar Wrights neustes Werk und stellt in der Theorie die perfekte Fusion aus Film und Videospiel dar.

   In der Praxis ist so, dass "Scott Pilgrim vs. the World" sich mehr an das hält, was der famose Trailer bereits zeigt, als an das, was dieser verspricht, was die hohen Erwartungen hin und wieder nicht erfüllen kann - die kleinen Insiderzitate, ob graphisch oder soundtechnisch, sind zwar nie Fremdkörper, sondern perfekt mit dem Gesamtwerk harmonierende Einzelteile, dennoch hätte der Film in seiner Verschmelzung von Gaming-Aspekten vielerorts weiter gehen können. Dafür wird einem ganz nebenbei bewiesen, dass der Ton einen weitaus größeren Einfluss auf die Stimmung hat als das Visuelle - die altbekannten digitalen Töne erschaffen eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Computerwelten nicht mehr existent sind und das nicht etwa im Rahmen sozialkritischer oder bewusstseinserweiternder Komponenten, sondern im Kontext eines modernen Nerdmärchens. Der ständige Bezug auf die emotionale Ebene schafft das Kunststück, den Film von der Gefahr einer reinen Hommage für Eingeweihte abzubringen, und macht ihn trotz aller kleinen Schwächen zu einem nicht bloß abgedreht-rasanten, sondern auch verdammt sympathischen Ereignis.

 

 

   Was "Scott Pilgrim..." an Konsequenz im Umsetzen seiner medienübergreifenden Vision teilweise fehlt, macht er mit seinem Einfallsreichtum und seinem Witz, der zwar etwas hinter den Wright'schen Vorgängerwerken bleibt, aber dennoch von simplem Slapstick weit entfernt ist, fast wieder wett. Auch die Figuren sind etwas mehr als die Klischees, als welche sie zunächst erscheinen: Scott selbst ist zwar nichts anderes als Michel Cera mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, dafür ist sein lethargisch-gelassener schwuler Mitbewohner einer der gelungenen Sidekicks der letzten Zeit und ist keineswegs eine aufgesetzte Karikatur, wie man es zunächst befürchten könnte. Die "teuflischen Exlover" sind purer Pop: Selbstverherrlichung, Arroganz und ein schrilles Auftreten sorgen hier für höchstes Amusement, zudem wird die scheinbare Übermacht typischer Endbosse sowohl pointiert rübergebracht als auch parodiert. Schade, dass die Mann-gegen-Mann/Mann-gegen-Frau/Frau-gegen-Frau-Kämpfe den üblichen Konventionen nicht viel hinzuzufügen haben - doch sobald weitere Ebenen ins Spiel kommen (wie beispielsweise beim Bandduell), entfaltet der Film die Stärken, die man sich von ihm die ganze Zeit enthofft und entlädt sich in einer augenzwinkernden Verbeugung vor den Videospielwelten.

 

 

   Dennoch wird man das Gefühl nicht los, als hätten die Macher Angst davor gehabt, das Nerdige auf die absolute Spitze zu treiben - zu oft wird die Geschichte nicht anders erzählt als in gewöhnlichen außergewöhnlichen Liebesgeschichten, zudem sind bloße Visualisierungen von Tönen zeitweilig nicht genug, um die Illusion einer realdigitalen Fun&Action-Welt aufrechtzuerhalten. Im Endeffekt ist "Scott Pilgrim..." ein lange überfälliger Schritt in die richtige Richtung, nur leider ein Schritt zu wenig - der hohe Unterhaltungswert und die pubertäre, aber nie peinliche Freude am Spielen mit Filmklischees (und Verfilmen von Spieleklischees) versöhnen einen dennoch mit dem bunten, lauten und unverklemmten Werk, dessen 8-Bit-Attitüden jeden Fan dieser zum erfüllten Lächeln bringen werden.

8 von 10 Levelneustarts

 

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