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HELLRAISER - S & M & Höllentrip

"Hellraiser" - S & M & Höllentrip

 

 

   Die wirkliche Hölle ist in uns selbst, wird oft behauptet.
  
In jenen Wünschen, für die man alles tun würde, wie man es gerne sagt, in jenen Gelüsten nach Gefühlen, für welche die eigene Vorstellungskraft nicht mehr ausreicht.
   In jenen Tiefen, die man sich selbst nicht eingestehen würde, in dem Trieb, welcher durch alle Mauern von Moral und Anstand bricht und für den Verantwortung nichts, aber Befriedigung alles bedeutet.
   In jenem Drang nach dem endgültigen Extremum, nach der absoluten Ekstase, für die man über Leichen gehen würde - vielleicht auch über die eigene Leiche?

 


   "...Doors to the pleasures of heaven and hell. I didn't care, which. I thought I'd gone to the limits. I hadn't. The Cenobites gave me an experience beyond limits... pain and pleasure, indivisible."

   Und so entsteigt die Hölle dem Inneren und reißt das Äußere mit sich mit, kettet es ein und zieht es auseinander, bis nur noch blutige Stücke übrig bleiben und ein zwischen kalten Mauer widerhallender Schrei nach Erlösung.
   Bis das lebenstragende Blut eine Brücke zwischen dem Jenseits und der irdischen Ebene erschafft und ein aus der Hölle entflohener nach Fleisch geifert, ohne Rücksicht auf Verluste, gestützt durch die unnachgiebige Wolllust, die der bürgerlichen Langeweile entsteigt und auf der Suche nach der niemals vergessenen Lust den Hammer in die Hand nimmt, bereit, alles und jeden damit zu zerschlagen.
   Doch sobald die Neugier wieder über der Angst siegt, sind sie wieder da und verlangen nach dem, was ihnen entflohen, sowie dem, was sie gerufen:

   "Explorers in the further regions of experience. Demons to some. Angels to others."

 

 


   Irgendwo zwischen Schmerz und Lust entfacht "Hellraiser" ein loderndes Fegefeuer, dessen Hitze nur ihn und wieder den Auftritten der Zenobiten weicht, von deren unendlich sadistisch scheinender Aura man gerne mehr spüren würde - doch gerade so wird jeder von ihnen gesprochener Satz unvergesslich: "We will tear your soul apart!"
   Überhaupt ist das Drehbuch so straff, dass der Film wie im Fluge vorbeigeht, und dabei dennoch beinahe episch in seinen Dialogen, die einfacher und wirkungsvoller nicht sein könnten.
   Die Gewaltdarstellung ist dabei nicht nur technisch (bis auf wenige grelle Ausrutscher gegen Ende) ansehnlich, sondern spielt oftmals auch geschickt mit dem Gegensatz von Fleisch und Metall, lässt beides in einer sadomasochistischen Vereinigung als Symbol für die ewige Qual fungieren und entfaltet eine Sogkraft, die über die Grenzen der Geschichte des Films hinausgeht.
   "Hellraiser" ist echter Horror mit universellem psychischen Fundament, dessen BDSM-Attitüde sich in einigen unvergesslichen Ideen manifestiert und für eine gepflegte Gänsehaut sorgt, nicht zuletzt dank des grandiosen Designs der Zenobiten, die mehr morbide Ausstrahlung als geschätzte 99% aller anderen Horrorgeschöpfe haben.
   Brutal, hintersinnig, besessen und lustvoll und völlig ohne vernachlässigbare Sequenzen in Szene gesetzt - ein in sich perfekter Höllentrip um Qual und Genuss und menschliche Extremen.

   "No tears, please. It's a waste of good suffering."

 

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