Navigation

CLOVERFIELD - Im Zentrum des Chaos

"Cloverfield" - Im Zentrum des Chaos

 

 

 

   Wie schön, dass es Filme wie "Cloverfield" gibt, die mit ihren Monstern richtig umgehen.
   Denn anstatt jenes zu einem politischen Statement zu nutzen oder es als Katalysator für irgendwelche sozialen Probleme zu missbrauchen, wird es hier zu einer unzerstörbaren destruktiven Kraft, die das macht, was sie machen soll: Nämlich für richtig viel Chaos sorgen.
   Und dieses wird dann so subjektiv gezeigt, dass man zu jedem Zeitpunkt mittendrin im Geschehen ist, ohne die Chance, alles einmal aus einer sicheren Perspektive betrachten zu können, außerhalb der Gefahrenzone.
   Selbst die Meldungen aus dem Fernseher schaffen hier keine Distanz, sondern bieten nur einen kurzen Ausblick auf das, was noch folgen wird - und lassen einem somit auch das Blut in den Adern gefrieren.
   Und zu all der Kritik an den unsympathischen Charakteren, der platten Story und den vielen Logiklöchern, in die so gerne verächtlich gespuckt wird: All das sind Kleinigkeiten, die einen beim Genuss dieses Films gar nicht stören sollten.

 


   Denn "Cloverfield" braucht keinen Tiefgang, keine Aussage und schon gar keine Logik - genauso wenig wie ein Warum.
   Was es braucht, ist genug Platz, um den Zuschauer mit einer Welle aus Adrenalin zu überfluten - und den nimmt er sich, wo er nur kann.
   Letztendlich bleibt auch die Liebesgeschichte nur ein Vorwand, um die Figuren - und vor allem die Kamera, die der eigentlichen Protagonist von "Cloverfield" ist - aus der relativen Sicherhiet zurück mitten ins Chaos zu schicken, sie durch dunkle Tunnel und und verbogene Wolkenkratzer laufen zu lassen und den Zuschauer das Maß der Zerstörung fühlen zu lassen.
   Wer sich da die Mühe macht, nach Logiklücken zu suchen, der wird sicherlich genug Stoff finden, über den er sich stundenlang beklagen kann - aber er verpasst auch die Stimmung, die "Cloverfield" erzeugt, wenn man sein Gehirn ausschaltet und sich von der Kamera auf einen Trip durch Schutt und Asche mitnehmen lässt.
   Und das Mittendrin-Gefühl ist jederzeit auf dem Maximum - denn "Cloverfield" ist auf materieller Ebene so subjektiv wie die Werke David Lynchs auf der psychischen und dadurch dazu fähig, etwas völlig Irreales und Unmögliches greifbar zu machen.


   Anspruchslos, aber mitreißend - dumm, aber faszinierend.
   Gerade dadurch faszinierend, weil er nichts hinterfragt und nichts erklärt, aber vieles andeutet und dadurch nur ein winziges Bruchstück eines anscheinend sehr großen und folgenreichen Ganzen bleibt - gerade dadurch faszinierend, da seine Kreatur nie mehr ist als eine widerliche und vel zu große Personifikation der blinden Zerstörung.
   So ist und bleibt "Cloverfield" reine Panik, ein auf Zelluloid gebanntes Gefühl von Angst und Faszination, bei dem manchmal Sensation vor Sicherheit geht.
   Und wenn sich am Ende in die Kamera verabschiedet wird, dann ist das auch nur ein letzter verzweifelter Seufzer von nichtigen Menschen, die dem Tode geweiht sind - denn dieser Film hat keine Helden und keine Aussicht auf ein Happy End.
   New York als ein brennender und zertretener Ameisenhaufen und irgendwo mittendrin eine Kamera, die das einzige Unzerstörbare in einer in kürzester Zeit völlig auseinandergenommenen Umgebung ist.


   Atmosphäre, Stimmung und Chaos, wo man nur blickt - "Cloverfield" ist auf seine Hauptaspekte begrenztes Genrekino, mitreißend, konsequent und mit Augenblicken der puren Faszination, die für glänzende Augen wie für ein mulmiges Gefühl im Magen zugleich sorgt - und wenn ich dieses Geschnatter höre, dann läuft es mir kalt den Rücken runter.
   Horror als Mittendrinerlebnis, ohne Musik, ohne Verfremdungen, ohne suggestive Perspektiven und ohne Grund - einfach nur herrlich.

 

Nach oben