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"Menschenfeind" - Hassausbruch

 

                 

 

   "Jedem sein Leben, jedem seine Moral."

   Die Welt ist scheiße, die Menschen ebenso, ein widerwärtiger Morast aus vergammelten Existenzen und voll von gewissenslosen Bonzen und dreckigen Schwulen und hässlichen Schlampen - da bekommt man keine Moral in die Hand gedrückt, die muss man sich selbst nehmen, sie sich selbst erdenken. Da ist man nicht eins von den vielen Körpern, die zu einer homogenen Masse verschmelzen, die nichts anderes kann außer fressen, ficken und fett werden - nein, da muss man denken, ständig denken, um nicht dazuzugehören, um jederzeit zu erfassen, von was für einem Gesindel man umgeben ist. Menschen - schlimmer als Tiere, Fleisch um des Fleisches willen und auch noch darauf aus, neues Fleisch in sich brüten zu lassen. Fleisch kommt auf die Welt und bleibt Fleisch und stirbt als Fleisch, nur als vergammeltes. Außer man macht ganz früh Hackfleisch daraus. Lieber tot als lebendig, lieber gar nicht da als hier, in dieser verkommenen Welt. Scheiße, bin ich eine depressive Hure meines eigenen ungebändigten Gedankenstroms - scheiße und geil zugleich, geil auf die Macht in meiner Hand, auf die Moral, auf die echte Moral. In meinen Worten die endgültige Wahrheit, in meiner Hand das Mittel zur Erlösung, von wem auch immer - in meinem Herzen das einzige, was dieses tierische Dasein doch über das eines Tieres hebt: Die Liebe.

   "Liebe. Ein starkes Wort. Nicht viele können sich damit rühmen, zu wissen, was es wirklich bedeutet."

   Nicht viele - niemand, möchte man sagen, wenn man auf diese Welt blickt, so dreckig, so ungemütlich und wie wunderbar, dass ich optisch auf Distanz und wie schrecklich, das ich gedanklich so nahe dran. Faschismus in Gedanken macht mich so richtig hibbelig und Faszination ist da auch nicht weit weg. Ficken wir, um zu leben, oder leben wir, um zu ficken? Ich lächele nie, wieso sollte ich auch, diese Welt hat kein Lächeln verdient. Na los, nimm mir mein Leben, nimm mir meine Existenz, zieh an der Schnur und halte die Flamme an die Zündschnur, dann bin ich die Zeitbombe auf zwei Beinen und mit einer verdammten Wut im Bauch, da hilft nichts mehr, kein Kaffee kann mich beruhigen, kein Blowjob kann mich befriedigen. Komm her, spreiz deine Beine, deine Hurenbeine, oh dreckige, gottverdammte Welt, oh Land des Verfalls und Zerfalls, und grapsche schön brav nach dem Geld, was dir für die Befriedigung meiner Lüste zusteht. Nur dass du sie nie befriedigen kannst, ist dein Schoß doch zu einer unendlich großen Höhle für all den Abschaum dieser Welt geworden, welcher dich von innen auffrisst. Meine Leidenschaft, die wirst du mir nie gönnen, wirst sie mir verbieten - doch ich scheiße auf jegliche Verbote, auf jegliche Regeln - ich bin ein Mensch, der einzige, wie es mir scheint, und ich nehme mir, was des Menschen einziges Glück, ich nehme mir, was mir Frieden bringt und was die Rettung ist.

   "Du wirst allein geboren, du lebst allein, du stirbst allein."

   Ja, so ist es, meine Damen und Herren aus der geistigen Unterschicht, die sich in allen Schichten wie zu Hause fühlt, so ist es, ich bin allein unter euch, ihr Abschaum, ihr grässlichen Untermenschen, ihr Straßenköter vor den Pforten der Hölle - ich bin die Hölle, ich bin euer Fegefeuer und wenn nicht durch meine Taten, so durch meine Gedanken, wo ihr ewig brennen werdet, für eure Taten, für eure Arroganz und Ignoranz, für alles, was ihr getan habt, ihr Unwürdigen. Ich bin das Zentrum dieser Welt, ihr letztes Herz, das zu zerspringen dorht angesichts aller Zustände, ich bin das sehende Auge zwischen euren blinden Gesichtern. Scheiß auf euer Mitleid, scheiß auf eure Scheinheiligkeit - ich werde euch die falschen Flügel abreißen und euch die gefälschten Heiligscheine über den Schädel ziehen, bis er in seine Einzelteile zersplittert.

   "Von allen Rassen, die es auf der Welt gibt, sollte man eine unbedingt vernichten...Deine!"

   Bin ich Faschist oder Sadist oder Masochist oder doch nur der verzweilfelte Schrei einer zum Scheitern verurteilten Generation, einer dem geistigen Tod ganz nahen Zeit, einer sich selbst langsam zerfressenden Welt? Bin ich eine prätentiöse Anschuldigung, eine plakative Anklage ohne Gerichtssaal und ohne eine greifbaren Angeklagten oder vielleicht ein Querschnitt durch die Gedanken dieser Menschen, durch jene Gedanken, die man sonst nie eingestehen würde? Bin ich die wandelnde Provokation, weil ich mich geil fühle, wenn ich beleidige und töte, oder bin ich die Aussage, für die du viel zu feige bist, um sie verstehen und akzeptieren zu können? Bin ich dein Spiegel oder doch nur eine Karikatur am Rande?

   Ich weiß es nicht, mein Kopf ist zu zerstört, meine Seele ist zu verletzt, als dass ich Klarheit haben kann, als dass ich mich einigen, als dass ich die Stimmen in meinem Kopf in einen Chor fügen könnte, die mir etwas sagen, was ich mir merken kann und was ich mitnehmen kann. Ich bin zu kaputt, für alles, für diese Welt insbesondere, aber eines, eines weiß ich ganz genau, so wahr ich hier mitten in der Scheiße stehe:
Ich bin etwas.

 

 

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