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"Letztes Jahr in Marienbad" - Ein Gedicht


 

In Spiegeln dieses Schloss's der Glanz von längst vergang'nen Tagen
Und in den Gärten wärmt das ewig gleiche Licht.
Ein jeder stets dieselben leeren Worte spricht -
Wird jemand je den Ausbruch aus dem Elend wagen?

Nicht schwer, die Menge ganz allein zu überragen,
Zu schwer zu finden ein vertrautes Gesicht,
Ein Wort, so mächtig, dass es Mauern bricht,
Die für so lange zwischen jenen Herzen lagen.

So schwer zu wissen, wo man ist, wieso.
Ein Film? Ein Traum? Der toten Seelen Hort?
Die eig'ne Seele, wie zu Stein erstarrt,

In der die Lust zur Freiheit tief verscharrt?
Das Schloss auf Ewigkeit der leeren Zweifel Ort,
Wo in den vielen Sälen seufzt das Nirgendwo.


Barockes Labyrinth, mit leeren Gängen und verschloss'nen Türen,
Der Weg hinaus ist nur ein Weg hinein.
Der Marionetten ohne Fäden Schrein,
Die keine Leidenschaft und keine Liebe sprüren.

Die Schatten eines fremden Selbst, die sich auf engstem Raume kaum berühren.
Ein Schauspiel, dessen Bühne: Schein und Sein.
In Ruhe gehüllt, bis ein erschrock'nes "Nein!"
Den ersten Schritt macht, sich vom Unbekannten zu verführen.

Lebendig oder tot, geborgt oder verloren,
Vergessen nur - oder niemals gescheh'n?
Nur Fragen, dessen Antwort ein leeres Blatt Papier,

Nur eine zarte Stimme flüstert leise mir:
"Du bist nicht hier, um etwas zu versteh'n,
Nur zum Bewundern bist du auserkoren."

 

   

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