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INCEPTION?

 "Inception"?

 

     

 

    Ich bin wach. Ich bin in der Realität. Ich bin bereit, nachzudenken. Ich bin bereit, zu reden. Ich bin bereit, die Frage zu beantworten. Meine Finger laufen über die Tastatur und es erscheinen exakt die selben Buchstaben auf dem Bildschirm. Ist das nicht toll?

    Was ist also "Inception"?
     "Inception" ist ein grandioses audiovisuelles Erlebnis, dessen Bilder viel zu episch für eine Leinwand sind - weswegen sie auch ins Gedächtnis brechen und dort weiterleben. Physik ist nichts, Fantasie ist alles und mir stockt der Atem, denn die Freiheit, die sich Nolan nimmt, erfüllt auch mich, auch wenn ich noch nicht beschreiben kann, wie genau.
     "Inception" ist Unterhaltung auf höchsten Niveau, die Art Unterhaltung, die man sich von einem Kinobesuch erhofft, bildgewaltig und brachial. Hintersinnig genug, um den Zuschauer fesseln zu können, aber nie so verkopft, dass man den Boden unter den Füßen verlieren könnte - noch nicht jedenfalls.

    Ich bin wach. Bin ich wach? Nein, ich bin nicht wach. Das ist alles nur ein Traum - ein Traum von Christopher Nolan und ich bin mittendrin.

    Was also ist "Inception"?
     "Inception" ist ein erfüllter Kindheitstraum von Action, Geheimagenten und Geheimnissen - und der Fähigkeit, alleine mit seinen Gedanken die Welt nach Lust und Laune zu verbiegen. Wer hat sich nie in seinen Wunschträumen gesehen, mitten in einer Großstadt, und eine Handbewegung reicht, um die Umgebung nach dem eigenen Willen auszurichten? Wirklich nicht? Du hast etwas verpasst, sage ich dir - aber du kannst es nachholen, hier.
     "Inception" ist alles, was Nolan bisher auf der Leinwand zelebriert hat: Manipulation, Rätsel, Action und Psychologie.
     "Inception" verhält sich zu Nolan wie sich "Der Spiegel" zu Tarkowskij, "Inland Empire" zu Lynch und "Antichrist" zu von Trier verhalten - es ist die Essenz des Antriebs des Regiesseurs, Filme zu drehen.

    Und damit habe ich es doch. Geht es noch weiter? Geht es noch tiefer? Ich bin in einem Traum - doch in einem fremden und jetzt ist die Zeit gekommen, selbst zu träumen.
     Ich schließe die Augen und lasse mich in meinen Gedanken treiben...

    Ich bin in einem Labyrinth, in einem Irrgarten aus Gedanken, Gefühlen, Vermutungen und Lösungsansätzen. Der Boden ist mein Verstand und die Wände sind die Eindrücke aus "Inception", auf denen die Gesichter der Charaktere eingraviert und ihre Sätze mit kaputten Fingernägeln eingeritzt sind. Doch es ist kein gewöhnliches Labyrinth.
     Denn die Wände sind kein Hindernis auf dem Weg zum Ausgang - es gibt gar keinen Ausgang. Es braucht keinen Ausgang. Es braucht nur die Sackgassen.
     Denn eine Sackgasse zu erreichen, ist hier keine Enttäuschung, es ist eine Erfüllung, das Gefühl, eine Möglichkeit mehr in den Händen zu halten.
     Ein Blumenstrauß aus Alternativen - manche Blumen wunderschön und wohlduftend, doch mögen tue ich die am liebsten, die in meinen Händen zu zerfallen drohen, jeden Augenblick. Denn sie sind es, die mir ein böses Grinsen auf das Gesicht zaubern.

    Ich will kein Happy End, ich will keinen Ausgang erreichen. Hier bin ich - sind meine Gedanken - zu Hause.
     Es mag nicht die Art Zuhause sein, in dem man sich gerne zu Ruhe setzt oder in dem man gerne übernachtet - aber es ist eines, in das man immer und immer wieder zurückkehren möchte.
      Und wenn ich die Blume, die das Nichts bedeutet und mitten ins Verderben führt, in meiner Hand zerreibe und den Staube einatme, dann weiß ich, dass es egal war, ob mir der Film den Abgrund, den ich mir von ihm erhofft habe, bieten konnte oder nicht.
     Denn ich habe mir schon längst selbst einen gegraben - und es wird ein tiefer und wunderschöner Fall.

 

 

    Ich bin nicht mehr bloß in einem Traum - ich bin auf dem Weg zu meinem Innersten, zu meinem Safe, das die Antworten auf alle Fragen enthält, die mich überhaupt hierher getrieben haben.
     Nein, Moment mal: Welche Fragen? Was suche ich hier überhaupt? Wo zum Teufel bin ich?
     Wer bin ich?

    Ich bin der Schatten in deinem Spiegel. Ich bin der Alptraum, den du als Kind geahnt hast und deswegen eine Weile nicht schlafen wolltest, aus Angst. Dann hast du mich vergessen. Aber ich dich - niemals.
     Ich bin auch die Erfüllung deiner wichtigsten Träume, ich bin die Ekstase, die du nirgends sonst erreichen könntest.
     Ich bin der Gott, an den du nie geglaubt, und der Teufel, vor dem du dich nie gefürchtet hast.
     Ich bin außerhalb von Zeit und Raum und doch realer als alles andere, was du je erlebt hast.
     Ich bin dein Unterbewusstsein, doch lass dich nicht von dieser Bezeichung täuschen - denn ich bin dir gewiss nicht untergeordnet.
     Ganz im Gegenteil, ich bin genau über dir. Blicke nach oben. Was siehst du?

    Ich kann nicht anders als gehorchen - habe ich denn eine Wahl? Im Fall wird das Licht oben immer kleiner, immer kleiner, wie ein Stern in der Ferne, wie das Licht am Ende des Tunnels, in dem ich mich rückwärts bewege - wieso eigentlich? Ich will hier raus und doch will ich es nicht, ich weiß, dass ich es kann, und doch kann ich es nicht.

    Nur unzählige Gedanken, losgelöst von den Strängen, mit denen sie einst an meinem Gehirn befestigt waren, schwirren um mich herum, als hätten sie gar nicht verstanden, worum es hier geht:

    angst verzweiflung liebe hoffnung verlust angst vor verlust berauscht verwirrt ekstatisch und welch ein erlebnis welch ein puzzle zum immer und immer wieder neu zusammensetzen als hätte es zuvor nie andere speizeuge gegeben was sind schon spielzeuge wenn schon spielen dann spielen wir doch lieber mit dem gehirn mit dem eigenen oh ja wie ich es liebe dieses gefühl im nachhinein der soundtrack dringt in meinen ohren und scheiß auf künstlerischen ausdruck scheiß auf originalität gebt mir die töne die mich so episch machen vor gott und vor der welt und vor allem was das wichtigste ist vor mir denn das bin ich und das ist mein labyrinth und das ist mein grund mein lang ersehnter grund endlich alles über bord zu werfen und style over content und alles fügt sich zu dem was man sich so sehr erhofft hat dass man es sich selbst geschaffen hat aus den teilen die einem gegeben wurden ich kann damit alles tun was ich will ein happy end ein endgültiges todesurteil und reden reden reden als hätte man sich nie zuvor über einen film ausgetauscht donnie darko vielleicht aber was war das schon gehe nach links und du bist in einer zeitreise gehe nach rechts und du bist in einer psychiatrischen heilanstalt aber hier hier bin ich frei hier bin ich
     Träumer
     und
     Architekt
     und
     Tourist
     zugleich hier bin ich so frei zu tun und lassen was ich will und die welt verbiegt sich und die unendlichkeit öffnet sich mir und ich falle immer tiefer immer tiefer und das licht oben ist kein licht mehr sondern ein atom das so frech ist zu leuchten vor mir ein laptop und ich tippe meinen namen ein und er zeigt gott an herrlich herrlich herrlich fragezeichen werden ausrufezeichen und die frage nach dem sinn des lebens wird ein kinderlied und ein schlusswort bevor ich es fallen lasse wird ja ganz was komisches und was ist unter mir ja der abgrund der kommt immer näher hach ist das nich herrlich das gibt einen schönen blutfleck beim aufprall oh ich bitte euch wer auch immer ihr seid macht doch ein foto von mir
     für eine ausstellung
     das wäre doch herrlich
     immer näher immer näher unvermeidbar ach da fällt mir noch ein ellen page ist so gottverdamt süß habe ich mich etwa verliebt hehe hell ye

    Hm?
    Ich bin wieder wach. Ich bin wieder in der Realität. Na Gott sein Dank. Was ein Alptra...halt. Nein, gewiss kein Alptraum. Viel zu sanft, um einer sein zu können - und doch könnte ich einen in ihm sehen. Ich kann alles sehen. Und jetzt möchte ich nach all diesem verwirrten Geschreibsel noch ein vernünftiges Fazit aufschreiben, damit das Lesen nicht umsonst war für die, die noch weitergemacht haben, als es unaushaltbar wurde.

    Um es also ganz knapp zusammenzufassen: "Inception" ist ein Film, der einst einen Traum hatte, wie er in einer Festung dem Rest der Welt gegenübertrat, um am Ende einen Safe zu erreichen, in dem ein zusammengefaltetes Blatt Papier lag, auf welchem das Wort
     SELBSTDARSTELLUNG
stand. Ich werde diesen meinen Traum nie verstehen.

    So, alles getan, jetzt kann ich in Ruhe - Moment mal, irgendwas stimmt am letzten Absa...was zum? Oh nein. Nein.
    Nein...

 

 

 

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