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EX DRUMMER - Arroganz

"Ex Drummer" - Arroganz

 

   

 

    Ich hab´s einfach drauf. Mit dem ganzen Leben, der ganzen Existenz. Ich kann´s einfach, ich bin einfach nur fähig, um nicht zu sagen genial. Ich habe Geld, Ruhm und alles andere, was man so braucht. Meine Wohnung bietet mir einen würdigen Blick auf die Stadt, meine Frau bietet mir den von vielen so gewünschten perfekten Sex - auch mal zusammen mit ihren Freundinnen. Man könnte sagen, ich lebe im Paradies, in absoluter Reinheit - aber nur rein zu sein kann mir wohl auch kaum wirklich zusagen. Ich bin doch ein Buchautor, ich brauche Inspiration, Einblicke, Erfahrungen. Und in diesem Augenblick klopft das Schicksal an meine Tür

    Klopf-klopf. Die Scheiße ist angekommen und möchte meinen Teppich besudeln. Nein, sie möchte, dass ich mit ihr in ihre Kloake gehe und ein wenig Schlagzeug spiele - ein wilde, skurrile Idee, verachtenswürdig, normalerweise - aber was ist schon normal? Wo könnte ich mich schon besser fühlen als mit ihnen, mit diesen armen und nahezu bemitleidenswerten Wesen? Schade nur, dass mein Mitleid nicht mehr existiert - nur noch der Zynismus. Und dieser lässt mich mit einem feinen Lächeln einwilligen. Möge die Reise in die Unterwelt, in den Dreck, in die Kanalisation der menschlichen Gesellschaft beginnen. Es wird eine wunderschöne Reise.

    Merken diese Wesen (sie als Menschen zu bezeichen schmerzt meine Zunge) eigentlich, wie verdammt erbärmlich sie sind? Merken sie, wie tief sie gesunken sind, so tief, dass sie das Licht des wahren Lebens doch gar nicht mehr sehen können. Sie sind hässlich, müffelig, absolut gestört. Sie nehmen Drogen, schlagen Frauen, treiben es mit alten glatzköpfigen Müttern ihrer eigenen Freunde - ach, was zählt schon Freundschaft hier, nur ein Wechsel von Beleidigungen. Sie sind schwul, verdammt schwul, nicht glamour-schwul, sondern so schwul, wie man es in der Beleidigung "Schwuchtel" auszudrücken versucht. Sie sind hirnlos, komplett durchgeknallt - ich bin intelligent, cool, lässig, ja menschlich. Sie haben Sex, wie ich ihn in einem Film nicht ansehen würde aus Widerwillen - ich habe die steristen und reinsten Dreier, seit Frauen ihren Hintereingang auch für Nicht-Ausscheidungszwecken nutzen. Sie brüllen und fluchen - ich schreibe. Ich schreibe über sie und über mich, ein neues Meisterwerk, die neue "Göttliche Komödie", eine Reise in die Hölle auf Erden, zu den Geschöpfen, die zu arm sind, um wahr zu sein - aber doch echt sind. Wie herrlich ich mich doch fühle. Wie toll ich doch bin. Ich bin nahezu göttlich. Und die Komödie ist tatsächlich eine - ich kann über eure verschimmelten Existenzen, über eure vergammelten Seelen wirklich herzhaft lachen. Ihr seid armselig. Ihr seid dem menschlichen Geschlecht unwürdig. So welche wie ihr sollten sich nicht fortpflanzen dürfen - unsere Welt hat euch nicht verdient. Und selbst wenn, dann bin ich tatsächlich göttlich und stehe über euch, ganz weit über euch, so weit über euch, dass ihr über euch zu bestimmen vermag. Und was kann man für euch noch tun? Ich werde das Beste tun, das, was eure armen Seelen verdienen. Was bin ich doch für ein netter, genialer, erfüllter, absoluter Mensch. Was seid ihr doch für armselige, traurige, verlorene und widerliche Untermenschen.

    Ich rieche das Blut und es bedeutet Wiedergeburt. Ich rieche den Schweiß und er bedeutet Leben. Ich höre das Gebrüll und lache darüber, dass das Kultur sein soll. Ich bin ein Gott in der niedrigsten Schicht der Gesellschaft, zu Besuch - aber mein Besuch wird Folgen haben. Verdammt, was eine geile Musik. Verdammt, diese Welt sieht gar nicht so schlimm aus - wenn man denn ihre Faszination zu sehen vermag. Verdammt, bin ich genial. Verdammt, ich habe mich noch nie so gut gefühlt, ich habe noch nie gesehen, wie schön meine Welt doch wirklich ist. Und wenn ich dem Dreck wieder entsteige, dann werde ich mich erstmal duschen, mich von dem Unrat reinwaschen. Und dann werde ich mich auf eine weitere Reise begeben, an einen Ort, der niemals nach totem Fisch riecht, der niemals vergammelt. Und dann werde ich, aufgegeilt durch das Widerwärtige, mich im Paradiese dem Wundervollen hingeben und die absolute Ekstase erreichen.

    Ich. Bin. Gott.

 

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