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Filmkurzkritiken -  D - Der

 

 

Der blutige Pfad Gottes

 

Als Selbstjustiz-Actionkomödie durchaus streitbar, aber durch die gelungene Anbiederung an das Tarantino-Filmgefühl (Coolness, Humor und originelle Gewalt mit treibender Musik unterlegt) ein großes Vergnügen, welches zum Schluss tatsächlich eine zweite Ebene entwickelt und in letzter Sekunde dem Etikett "gewaltverherrlichend" entgeht. Willem Dafoe als homosexueller FBI-Agent sorgt für mindestens ebenso viel Spaß wie er diesen bei den Dreharbeiten hatte, der Russenmafiaboss spricht ausnahmsweise mal richtiges Russisch und das Finale bietet genau die Erfüllung, die man als Zuschauer erwartet. Die rekonstuierende Erzählweise lässt generell die Erwartungshaltung immer wieder nach oben schellen und versagt nie darin, diese auch zu erfüllen.

 

8/10

 

 


 

Der große Diktator


Am bissigsten sind hier die Details, am witzigsten die eher unwichtigen Szenen - die an den Rhytmus der Musik angepasste Rasur ist schlicht und einfach genial, ebenso das Ende der Erdkugel-Szene. Dazwischen droht "Der große Diktator" sich in zu einfachem Slapstick zu verlieren, doch Chaplin schafft es immer wieder, genug Ernst in das Treiben zu bringen. Aus heutiger Sicht leidet die Schlussrede ein wenig am mittlerweile veränderten Klang des Wortes "Demokratie", doch die Idee hinter allem ist nach wie vor bewunderns- und anstrebenswert. Bemerkenswert ist auch die Weitsicht Chaplins in diesem Thema - leider bleibt der Film "nur" ein perfekte Parodie auf die Person Hitler und seine Auftritte, das System an sich entgleitet zum Großteil seinen Fängen. Dennoch ein Film, der das Prädikat "wichtig" wirklich verdient.

 

8.5/10

 


 

 

Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber


Eine super interpretierbare Parabel um Herrschsucht und Individualität, Liebe und Despotismus, mit zahlreiche symbolträchtigen und unvergesslich morbiden Szenen. Allen voran aber eine elegante Filmkunstpomposition, welche mit ihren betörenden Kamerafahrten aus den dreckigen Hinterhöfen durch die dekadenten Speisesäle bis in das Fleischlager, wo sich menschliches Fleisch vereint, und der göttlichen Musik von Michael Nyman einen unheimlichen Sog entwickelt. Die Schauspieler tun ihr Übriges, um das Filmgourmetmenü noch schmackhafter zu machen, und das Ende ist in seiner epischen Symbiose aus Ekel und Erfüllung eines der memorabelsten der Filmgeschichte.

 

9/10

 


 

Der König der Löwen


Zu Beginn noch von wunderbar nuancierten Dialogen getragen und eine Neid-und-Verrat-Geschichte spannend, welche sich alleine durch Jeremy Irons' grandiose Vertonung von Scar von der Vater-Sohn-Beziehung abhebt. Anschließend wendet sich das Ganze um 180° und der Held landet bei den größten Junkie-Euphemismen der Filmgeschichte: Timon und Pumba! Der wirkliche Welt entflohen, absolut keine Lust, nach vorne und vor allem nach hinten zu blicken und damit die perfekte Auffangmatte für den passiv suizidgefährdeten Protagonisten. "Hakuna Matata" ist ein Schlaraffenland, welches man selbst schafft, indem man lernt, Scheiße (in diesem Falle Insekten) zu fressen. Doch bald kommt schon die Vergangenheit angerast und birgt nicht bloß eine wichtige Prüfung, sondern auch die nie zuvor gesehene sexuelle Versuchung. Zerrissen zwischen dieser, der Lust auf ein riesiges Königreich und der Harmonie der letzten Jahre beschließt man, eine kleine Revenge-Party zu starten. Diese endet leider in einer Mischung aus Slapstick und heldenhaftem Rettungsgetöse, dafür bleibt der Film Jeremys düsterer Stimme treu und präsentiert einem keine billige Bekehrung, sondern einen konsequenten Schurkenniedergang. Toller, doppelbödiger und wahrhaftiger Klassiker.

 

8/10

 


 

Der Maschinist

 

 

Mindfuck ist schon seit einigen Jahren ein eigenes Genre und "Der Maschinist" tut alles, um ein guter Vertreter dieses zu sein - düstere Figuren, kleine verwirrende Details und eine höllische Stimmung. Christian Bale als lebendes Skelett macht einen guten Eindruck und verleiht dem Ganzen alleine durch sein Aussehen einen gewissen Horror-Touch, während die Story ihn durch ein Paranoia-Geflecht schickt, welches mit irritierende Wendungen nicht spart und überraschenderweise immer wieder einen sehr morbiden, aber unübersehbaren Humor beweist. Die Auflösung mag dem ein oder anderen etwas simpel erscheinen, dennoch bleibt sie emotionale nachvollziehbar und fügt sich super in die Geschichte ein, ohne Logiklöcher ohne offene Fragen zuzulassen, was nach dem psychischen Druck eine wahre Wohltat dem Protagonisten wie dem Zuschauer gegenüber ist.

 

8/10

 


 

Der Pianist

 

 

Der Zweite Weltkrieg mal nicht als vielschichtiges Phänomen, sondern als subjektiver Höllenritt: Mit den Augen des Protagonisten sieht der Zuschauer, wie Kinder erschossen, Häuser gesprengt und Opas in Rollstühlen aus dem Fenster geschmissen werden. "Der Pianist" wäre perfekter Survival-Horror, wäre er dabei nicht eine schmerzhafte Dokumentation, deren Authentizität in Verbindung mit der kaum fassbaren Konsequenz der Geschehnisse für ein flaues Gefühl im Magen sorgt. Adrien Brody zieht als immer mehr vom Schicksal gebeutelter durch das zerfallende Prag und versucht mit aller Kraft, angesichts der Not nicht zum Tier zu werden, während neben ihm Menschen sich für ein Stück Brot am liebsten die Kehlen durchbeißen würden. Zum Ende hin verwandelt sich die Umgebung aus der wahrgewordenen Hölle in einen postapokalyptischen Trümmerhaufen, in dem es bis auf den Protagonisten kein Leben mehr gibt und Licht nur aus den Flammenwerfern der durchmarschierenden Soldaten. Ein unerträglich echter Alptraum von einem Film und ein Lehrstück in Sachen subjektive Erzählung.

 

 

8.5/10

 


 

Der Sternwanderer


Was wie ein ganz klassisches Märchen beginnt, entwickelt nach und nach einen ungemein charmanten Sarkasmus und bietet zumeist sehr schwarzen Humor im Sekundentakt. Während man noch denkt, dass man sich die eine tolle Idee unbedingt merken muss, bekommt man schon die nächste serviert - und dabei verkommt der Film nie zu einer reinen Gagparade, sondern weiß eine fantasievolle Geschichte mit zahlreichen Figuren zu erzählen, die zwar an sich nicht den Originalitätspreis gewinnt, aber so unendlich sympathisch präsentiert wird, dass man einfach mitfiebern muss. Dazu kommen die unzähligen Nebencharaktere, die allesamt Gold wert sind: Sei es der verwandelte Ziegenbock, der abgedrehte Luftschiff-Pirat Shakespeare (herrlich: Robert de Niro, "Shakespeare, ein perfekter Name - Ich denke an den großen Dichter, meine Männer denken an "schüttel deinen Speer"!") oder die Geistertruppe, deren Charme wohl einen ganzen Film tragen könnte. Würde man "Der Sternwanderer" etwas vorwerfen wollen, könnte man sagen, dass er zu viele gute Ideen hat, als dass man sie sich alle behalten könnte -ansonsten beweist er durchgehend sein perfektes Verständnis des Genres "Fantasy" - er ist nämlich die pure Fantasie, ohne Zwänge, ohne Grenzen und ohne aufgesetztes Moralgelaber. Entertainment at its best.


8.5/10

 


 

Der Teufel mit der weißen Weste


Die verzweifelte Suche nach einer Gewissheit im Halbdunkel der düsteren Schwarz-Weiß-Bilder, mit sich ständig ändernden Blickwinkeln. Am gnadenlosen und unerwartet traurigen Ende weiß man als mehrmals hinters Licht geführter und geschickt überraschter Zuschauer, dass man in den aussichtslosen Kämpfen um eine Möglichkeit zur Flucht nicht bloß niemand anderem, sondern nicht einmal sich selbst trauen sollte - und dass nur weniges cooler ist als ein in einem perfekt verwickelten Drehbuch gefangener Noir-Gangster.

 

8/10

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