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Filmkurzkritiken - C

 

 

Caché

Oftmals so langatmig, wie man es befürchtet, entwickelt "Caché" in einigen Sequenzen eine unerwartete und unheimliche Intensität, die sich in einer erschreckenden und verstörenden Szene manifestiert und das Unterbewusst-Verborgene schonunglos nach außen brechen lässt. Das schlechte Gewissen kommt nicht in Form einer Anschludigung, sondern braucht hier lediglich ein Lebenszeichen von sich zu geben, um die bürgerlichen Fassaden langsam, aber sicher in Schutt zu verwandeln. Wie von einer unsichtbaren Hand angestupst wird hier Verdrängung zu blinder Wut, zu Anklagen, die in Wirklichkeit in einen Spiegel geäußert werden. Einer Erklärung bedarf das mysteriöse Geschehen nicht, ist "Caché" doch vielmehr eine Parabel über versteckte Schuld, vergessene Verantwortung und die ewigen menschlichen Lügen, die sich selbst in die Kehle beißen.

 

8/10

 


 

Casablanca

 

Eine unmögliche Geschichte von Liebe und Altruismus beinhaltender Kühle, von ewigem Warten auf die rettende Abreise und von richtigen Entscheidungen jenseits von Selbstsucht und Sicherheit. "Casablanca" feiert jegliche Tugenden des klassischen Hollywoodkinos und funktioniert nicht nur als Anti-Drittes-Reich-Propaganda, sondern auch als Vorzeigewerk seiner Zeit: Elegante Schwarz-Weiß-Bilder, melancholisch-feierliche Musik, persönliche Konflikte als Zahnräder von geschichtlichen Ereignissen, wundervoll pointierte Dialoge, die man sich stundenlang anhören könnte ("Wo warst du letzte Nacht?" - "Ist zu lang her." - "Was machst du heute nacht?" - "Soweit im Voraus plane ich nicht."), eine schöne Frau, vom Schicksal umwoben,  und ein eiskalter Humphrey Bogart mit prägnanter Vergangenheit und bestimmt nur vordergründig phlegmatischen Lebenseinstellung ("Welche Nationalität haben Sie?" - "Ich bin Trinker."). Das ist niemals Realität, aber dafür schönstes Kino, ein Real-Märchen mit Stimmung, Charme, großen Gefühlen und einem wundervollen Sinn für Humor ("...wir lernen auch schon fleißig die Sprache! Darling, ähm...what watch?" - "Ten watch!" - "Such much?" - "Sie kommen bestimmt wunderbar in Amerika zurecht!").

 

8.5/10

 


 

Charlie und die Schokoladenfabrik


  Tim-Burton-Fastfood. Was morbide anfängt, wird zum Ende hin so süß, dass es einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, doch bis dahin wird man mit zahlreichen originellen und gemeinen Pralinen von Einfällen verwöhnt. Burtons High-Society-Karikturen sind abstoßend wie eh und je, seine visuellen Fähigkeiten erschaffen eine prächtige bunte Welt, doch auf neue Akzente wartet man hier vergebens, anstatt seinen entfesselten Tanz zwischen Märchen und Horror um Schritte zu erweitern, dreht er sich weiterhin im Kreis. Das ist im Nachhinein schade, doch "Charlie und die Schokoladenfabrik" ist immer noch ordentliche Unterhaltung, welche zudem die süßeste Hommage an "2001 - A Space Odessy" ever bietet.

 

7/10

 


 

Chihiros Reise ins Zauberland


  Ein vor Herz, Fantasie und Atmosphäre überbrodelnder Animerausch, der keine Grenzen in der Erschaffung einer Märchenwelt kennt, weswegen diese eine selten so gesehene Vielfalt und Schönheit erreicht. Ein Märchen jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei, bewohnt von skurrilen, ungreifbaren und dennoch virtuos in die dargebotene Welt eingefügten Wesen und erfüllt von unverfälschten Emotionen, laut, aber niemals kitschig. "Chihiros Reise ins Zauberland" ist genau die Art zauberhafter Unterhaltung, die man einem Kind wünscht, und zugleich auch für Ältere ein berührender und mitreißender Trip in die Weiten der menschlichen Fantasie. Ein echter Vorzeigeanime und das für alle Altersklassen,

 

8.5/10

 


 

Children Of Men


  Die dreckige Zukunftsvision wird durch eine dem Geschehen stets nahe, von ihrer Geschwidigkeit her virtuos angepasste und im Endeffekt schlicht und einfach vollendete Kameraführung eingefangen (auch wenn die verrückten One-Shot-Sequenzen zum Teil doch im Schneideraum entstanden sind. Die Geschichte dagegen überrascht zwar durch ihren subjektiven, ausschnitthaften Charakter, bleibt aber dennoch unter ihren Möglichkeiten und mündet in ein Ende, welches den hohen Erwartungen nicht standhalten kann. Zwischendurch schafft es "Children Of Men", eine sozialkritische Ebene aufzubauen, die durch die Intensität des Films in der Wirkung verstärkt wird, das erzählerische Gefälle am Schluss schadet dennoch der Nachwirkung. Im Endeffekt eine ordentliche Dystopie, die hin und wieder ihr Potenzial verspielt.

 

7.5/10

 


 

Citizen Kane


Materieller wie sozialer Aufstieg gekoppelt mit moralischem und menschlichem Fall - ein zeitloser Film zu einem zeitlosen Thema in schauspielerischer wie filmtechnischer Perfektion. Das "NO TRESSPASSING"-Schild zu Beginn ist eine augenzwinkernde Einleitung zu einer detailgenauen Demontage von verlorenen Idealen, zu einem Blick hinter eine glorreiche Fassade, reich und beinahe allmächtig und im Inneren verarmt und machtlos. Nach und nach wird zwischen Dialogen mit Mitmenschen und Rückblenden die Entwicklung von idealgeleitetem Perfektionismus zu kühlem wirtschaftlich-politischen Kalkül beleuchtet, der Werdegang des Menschen Kane zum "Citizen Kane". Eine halbfiktive Biographie als Blick durch und nicht auf einen Menschen, dessen "bester Film aller Zeiten"-Titel ohne den kulturgeschichtlichen Kontext übertrieben wirkt, aber angesichts der inszenatorischen Klasse, Orson Welles' mutiger Ambition sowie seiner ikonischen Darstellerleistung auf jeden Fall tolerabel ist.

 

8.5/10

 


 

City of God


  Gottlos und hoffnungslos, storytechnischer Realismus im künstlerisch entfesseltem Gewand und ein Ende ohne jegliche Moral, herrlich. Es wird Krieg geben und während die Kamera sich ganz genau die Menschen in den sich gegenüber stehenden Reihen anschaut, verkommt der eigentliche Protagonist fast zur Nebenfigur, bis sich Ende und Anfang wieder zusammenfügen und gnadenlose Konsequenz regiert. Bei den Blutmengen bekommt man seltsamerweise zumeist so viele Emotionen ab wie der Fotoapparat, der die Zeitung mit neuen Leichenbildern füttert - aber man muss ja gemein sein in dieser Welt. Dass gerade der Friede-Freude-Eierkuchen-Mann Xavier Naidoo hier mitsynchronisiert, ist recht befremdlich.

 

8.5/10

 


 

Clean, Shaven

 

Hässlich, alles hässlich. Häuser, Tapeten, das Brot, welches man isst, der Kaffee, den man trinkt. Alles unsicher, in einem Strudel, in welchem man, nein, wann man denn reingekommen und von den Fotos lächelt man und schaut skeptisch und irgendwann nur noch angepisst von der Welt. Das auf der anderen Seite, aber ganz nahe beim Rezipienten, welcher die Unsicherheit spürt und spürt und nochmal spürt. Irgendwo Fünkchen von Schmerz oder von Sehnsucht und diese verdammte Unsicherheit: Ist es, wie es aussieht? Ist es, wie es sich anhört? Ist es, wie es sich anfühlt - und da stellt sich die Frage, was von dem, was man zu fühlen vermag, denn wahr ist. Ist das Wahnsinn oder ist das Wärme? Flucht oder Suche? Tod - oder der Verzweiflung auf der Suche nach 1) dem weggenommenen Glück und 2) dem, der die vieldeutig eindeutigen Spuren hinterlässt? Und wo kommt der ganze Dreck her, welchem zu genießen man gar nicht genug Masochist sein kann (den Schmerz, so selten er sein mag, ebenfalls nicht)? Ich weiß, nein, will es gar nicht wissen.
Keine Empfehlung, keine Warnung - nur der Versuch einer Reflexion einer weiteren Zumutung im irgendwie doch positiven Sinne. Und jetzt raus aus meinen Erinnerungen, böses Ungetüm.

 

7.5/10

 


 

Cloverfield


Ein Mittendrin-Horrotrip, auf den man sich am besten ohne Rücksicht auf Unlogik in den Entscheidungen wie im Geschehen selbst einlassen muss, um die wilde Achterbahnfahrt voll und ganz genießen zu können. Die stets subjektive Perspektive von "Cloverfield" impliziert einen ausschnitthaften Einblick in das Geschehen und verzichtet auf eine Erklärung des Ganzen, doch das ist keineswegs ein Nachteil, sondern die logische Konsequenz der Machart, welche höchste Intensität garantiert und die gehetzte, bedrängte Stimmung in all ihrer Wucht perfekt einzufangen weiß. Im Grunde folgt jede Aktion in diesem Film dem einzigen Zweck, die eigentliche Hauptfigur des Films, nämlich die (anscheinend unzerstörbare) Kamera, mitten in das größtmögliche Chaos zu stürzen und damit dem Zuschauer das ultimative Vernichtungsgefühl näher zu bringen - das Monster ist nichts anderes als der personifizierte Wunsch nach blinder Zerstörungswut, bedingungslos und brachial. In diesem Sinne ist "Cloverfield" Konzeptstimmungskino, welches ohne irgendwelche Story- oder Charaktermätzchen die gänsehautverursachende und gnadenlos sicherheitslose Essenz des Horrors in einen wilden Ritt durch ein bröckelndes New York verpackt - mit großem Erfolg.

 

8/10

 


 

Coffee and Cigarettes


Zwischen ermüdender Belanglosigkeit und entlarvender Bissigkeit schwankt Jim Jarmuschs Episodenfilm, mal witzig, mal nervig, mal putzig, mal herrlich sarkastisch, mal verquert, mal schlicht und einfach mittelmäßig, mal melancholisch, nein, eigentlich stets melancholisch, wenn auch in verschiedener Intensität und Qualität. Wie nebenbei beobachtet, wird hier ein Lebensgefühl porträtiert, welches von Langeweile bis hin zum gemeinen Grinsen vieles zu bieten hat, aber leider nicht durchgehend faszinieren kann - einige Episoden trampeln minutenlang auf einer einzigen Pointe herum, die kaum witzig oder überraschend ist. Dafür machen Sequenzen wie der grandiose Dialog zwischen Alfred Molina und Steve Coogan in "Cousins?" den unausgewogenen, aber ungewöhnlichen Film sehenswert - wer skurriles Indiekino mag, findet an "Coffe and Cigarettes" sicherlich Gefallen, zu viel Substanz sollte man nicht erwarten, funktioniert das Ganze auf einer Empfindungsebene besser als auf einer gedanklichen.

 

6.5/10

 


 

Collateral

 

  Mutter-Sohn-Konflikt-Geplagter mit unwirklichen Ambitionen und einem Witz ohne Pointe als Leben trifft auf eiskalten Killer, der von seinem Auftrag bis zu seinem Gewissen alles unter Kontrolle hat. Das verspricht eine blutige Nacht in L.A. und das wird es auch, in ästhetisierten finsteren Bildern und mit einer wunderbar düsteren Nachtstimmung versetzt, welche im Endeffekt den essentiellen Teil vom kleinen Bruder von "Heat" darstellt. Für eine komplette Loslösung von den Genrekonventionen fehlt  "Collateral" im Endeffekt der Mut, doch die nächtlichen Freiheitsdränge münden oft in angenehme Rasanz und Spannung - und sobald in einer lauten Disko die audiovisuelle Ekstase mit Beats von brechenden Knochen unterlegt wird, weiß man, wie gut wohldosierte Action schmecken kann. Mit Sarkasmus garniertes, virtuoses Genrekino, eine böse Spritztour durch die Nacht, die nicht alle Klischees umfahren kann, aber dafür einige rauhe Wände streift und in einer schönen Pointe zum Stehen kommt.

 

8/10



 

Crank


  Was hier an Hirnmasse und gutem Geschmack fehlt, wird mit der zehnfachen Menge an Adrenalin und Wahnwitz kompensiert. Jason Statham spielt im Grunde die Rolle seines Lebens, in welcher er alles macht, was man von ihm erwartet (ausrasten, böse schauen, Schmerzen zufügen und Schmerzen erleiden), und das stest auf höchstem Niveau, falls man dieses Wort in Verbindung mit "Crank" verwenden darf. Low-Budget wird hier durch originell-amüsante GoogleMaps-Zooms zum Vorteil, der Soundtrack ist nichts anderes als das visuelle Tempo auf der Audioebene und damit auch perfekt.Ein moderner, verspielter Actionrausch, mit pubertärer, aber stets amüsanter Lust an Gewalt und mit einem Augenzwinkern serviert.

 

8/10

 


 

Crank 2: High Voltage

 

 

Das Erfolgsrezept des tollen Vorgängers wird durch gesteigerte, aber im negativsten Sinne geschmacklose Gewalt, unoriginelle Wiederholungen, nervige Nebenfiguren und einer enttäuschenden Stillosigkeit im Abfeiern seiner blutigen Attitüde nahezu ungenießbar gemacht. In einigen wenigen Szenen (wie beispielsweise der Godzilla-Sequenz) schafft es "Crank 2", herrlich bescheuert zu sein und seine eigenen Grenzen zu sprengen - die meiste Zeit über ist er in dem zwanghaften Trieb, seinen Vorgänger in allen Belängen zu übertrumpfen, gefangen, welcher sich jedoch entweder in kraftlosen Erinnerungen an die besten Momente dieses oder aber in peinliche und unlustig gewaltverherrlichende Übertreibungen äußert. Dass das wunderbare und in sich logische Ende des ersten Films damit kaputtgemacht wird, ist ebenfalls eine Frechheit.

 

3.5/10

 


 

Cube

 

  Manch einer mag sich über die fehlende Erklärung am Ende beschweren, doch im Grunde fällt die bestmögliche bereits in der Mitte des Films, wenn die gesamte Prämisse als reiner Selbstzweck enttarnt wird - der Würfel wurde gemacht, also wird er eben genutzt. Diese brutale und sadistische Sinnlosigkeit verstört dabei weitaus mehr als die es die Auswirkungen der brutalen Fallen oder die Rangeleien zwischen den Figuren tun. "Cube" ist damit eine Art Gegenmodell zu intelligentem Horror, jedoch auf eine subversive Art und Weise hintersinnig - eine klaustrophobische, bedrängte Hatz nach dem eigenen Leben in einer absolut logischen (zumindestens als logisch gedachten) und zugleich surrealen Umgebung. Dass Figuren und Dialoge dabei keinen Originalitätspreis gewinnen und die Story zu viele altbekannte Motive abspult, ist schade, lässt sich aber angesichts der dichten Stimmung verschmerzen.

 

7/10

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