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Filmkurzkritiken - B

 

 

Babel

 

  Kulturen treffen aufeinander und zum Spaß verschossene Kugeln auf menschliche Körper. Das resultiert aus jahrzehntealten Geschenken und initiiert noch mehr Schmerz, noch mehr Leid und noch mehr Blut. Die Welt als riesiges Netzwerk, in welchem alles miteinander verbunden ist, aber schon seinen nächsten Nachbarn kaum versteht - und das nicht nur wegen verschiedenen Sprachen. Inmitten des Chaos aus falschen Eindrücken, falschen Schlussfolgerungen und falschen Entscheidungen quält sich ein taubstummes Mädchen durch ihr sexloses Dasein und geifert nach körperlicher Nähe in einer Welt, in der Empathie ein Fremdwort ist. Das mag kein so perfekt passendes Puzzlebild ergeben wie "Amores Perros" oder "21 Gramm", liegen die Teile doch teils weiter auseinander als es der Geschichte gut tun würde, doch auch mit "Babel" beweist Alejandro González Iñárritu, dass er das Genre "Episodendrama" immer wieder mit der gewohnten Intensität bereichern kann.

 

8/10

 


 

Bad Boy Bubby


  Eine echte Tragikomödie und zwar in genau dieser Reihenfolge. "Bad Boy Bubby" schwankt zwischen völlig verschiedenen Stimmungslagen, zeigt unterschiedliche Welten, die zusammen dennoch ein homogenes Gesamtbild ergeben, und wirkt somit verstörend und erfüllend zugleich, amüsiert, schockiert, lässt den Zuschauer mal Ekel empfinden, mal mitleiden, mal vergnügt grinsen. Der Stoff hätte auch für einen hochdepressiven Höllentrip herhalten können, doch "Bad Boy Bubby" hat - zum Glück - das Herz am richtigen Fleck und so ist die Erinnerung an diesen Film kein Erschaudern, sondern eher ein Lächeln, welches reine Zuneigung und Sarkasmus in gleichen Teilen enthält. Nicholas Hopes Performance wird der ungewöhnlichen Figur zu jedem Zeitpunkt voll und ganz gerecht und erreicht ihren Höhepunkt in einer "Gesangseinlage", die schlicht und ergreifend eine mögliche Definition von Gänsehaut darstellt. Einzigartig, gefühlvoll und wirklich schön.

 

8.5/10

 



Barton Fink

 

Die Coens, respektive Meister des Realmorbiden, wagen sich an das wundervolle Hollywood-oh-du-krächzendes-verlogenes-Monstrum-Untergenre und es wird natürlich ein betörend-ungreifbares Meisterwerk. Hier ist die Traumfabrik nicht bloß ein Alptraum, sondern die Etage direkt über der Hölle, in welcher die Halbdämonen des Glamours, der Ideen und der Finanzen sich gegenseitig misstrauisch beäugeln und umschmeicheln, ausnutzen und infizieren. Die Hitze der Flammen lässt Barton Fink (grandios klassisch zugrunde gehend: John Turturro) seine Gedanken herausschwitzen, während er verzweifelt vor der Schreibmaschine hockt und die Tapeten seines Zimmers in einem Hotel, auf welches Lynch neidisch wäre, beim schmierigen Abfallen beobachtet. Ein nostalgischer Blick auf das eingerahmte Paradies und der verzweifelte Versuch, das Menschliche in Worte zu fassen, aber hey: In einer unmenschlichen Welt braucht dieses doch ohnehin niemand. Höchstens der gutmütige Charlie Meadows (so großartig wie groß: John Goodman), das vermeintlich einzige Wesen in der ganzen Umgebung, welches seine Seele nicht an den Teufel der Gier und des Images verkauft hat. Doch die Coens wären nicht die Coens, wenn sie jedes fragile Ausrufezeichen am Schluss nicht doch noch in ein ewiges Fragezeichen umwandeln würden - und auch wenn es den Anschein hat, als würde sich nach dem infernalen, diabolischen, schlichtweg überwältigenden Finale ein Kreis schließen, diese herrliche Unsicherheit bleibt noch lange nach dem Genuss bestehen. Unheimlich großes intelligentes Kino, klassisch und einzigartig zugleich, welchem man mit Worten niemals komplett gerecht werden könnte. Vielleicht, gar wahrscheinlich der beste Film der Coens.

 

9/10

 


 

Batman Begins


  Batman in bodenständig, sofern ein fledermauskostümtragender Typ bodenständig sein kann. Nach einigen kleinen Längen in der (nötigen) Vorbereitung ist die neuinterpretierte Figur fertig und macht sich auf den Weg, den Bösen dieser Welt in realistisch-wuchtiger Action entgegenzutreten. Das Schwanken zwischen Brachialität und menschlichen Hintergründen gipfelt in einem Showdown, der ganz Gotham City in ein Schlachtfeld verwandelt und beweist, dass "Blockbuster" auch verdammt gut klingen kann. Cilian Murphy glänzt als Fiesling mit Alptraummaske, Christian Bale gibt einen motivierten dunklen Ritter mit klischeehafter Raucherstimme bei den "Einsätzen", der Rest vom Cast ist verschwenderisch prominent, aber demzufolge auch gut. Die Symbiose aus der leicht mystischen Comicfigur und schnörkellos-zweckmäßiger und dennoch mitreißender Optik funktioniert tatsächlich - "Batman Begins" ist modernes Action- und modernisiertes Heldenkino, über welches man sich nicht beschweren kann.

 

8/10

 


 

Batmans Rückkehr

 

  Burton lässt den Helden in den Hintergrund treten und stellt stattdessen die Bösewichte ins Licht. Danny DeVito gibt als der "Pinguinmann" eine astreine Vorstellung, eine ekel- und mitleidserregende Kreatur, das schlechte Gewissen von Gotham City, welches in der Kanalisation haust und den vernichtet geglaubten Betrugsaktenmüll wiederherstellt und den Mächtigen dieser Welt wieder unter die Nase hält - ein Freak, aber ein Freak mit großen Ambitionen. Und Michelle Pfeiffer wandelt auf Zehenspitzen geschickt zwischen zerbrechlicher Hilflosigkeit und nervenkitzelnder Verführung, eine laszive Bad-Girl-Diva, mit sieben Leben und einer verdammten Wut auf ihr altes Leben, welche sich in einer hemmungslosen Zerstörung ihrer Appartements äußert, ein individuelles Jüngstes Gericht für die eigene Vergangeheit. Hinter der grellen Fassade von "Batmans Rückkehr" steckt ein pessimistisches Psychogramm um Entfremdung und Vereinsamung, die verzweifelte Suche nach Wärme und Glück, Liebe und Geborgenheit, und man kann schnell ahnen, dass diese nicht gut ausgehen wird. Ein Comic-Meisterwerk um unendliche Verbitterung, zerbrochene Fassaden und versessene Rache und der bisher beste "Batman"-Film.

 

8.5/10



 

Battle Royale

 

  Scoreeinbledungen, ein überschrilles Tutorialvideo, klassische Musik aus den Lautsprechern als Soundtrack für das Morden - willkommen in einem perversen, gemeinen Spiel ohne Spielkonsole, aber mit brutaler Realität inklusive. Im Angesicht des Todes entblößen sich die unfreiwilligen Teilnehmer, rächen sich für die Eifersuchtsgefühle, kräftigen ihren Neid mit Kugeln und opfern sich aus selbstloser Liebe - ja, diese gibt es wohl tatsächlich. Gewissheit gibt es keine, Spannung dafür umso mehr und die psychologische Komponente verstört mehr als der unaufhaltsame Blutstrom - Faszination und Schmerz gehen Hand in Hand über die Insel und entfesseln ein Survival-Psychohorror-Schlachtfest, das von jeder Zutat die richtige Dosis besitzt. Und wenn sich am Ende das Skurrile in einer unfassbar seltsamen Szene manifestiert, dann verzeiht man jeden auch von Melodramatik und genießt die perfide Psychostuide, die ins Hirn wie in den Magen schlägt.

 

8/10



 

Berlin Calling

 

  Dem eigenen Soundtrack würdig, sprich halbmelancholisch irgendwo zwischen vermeitlichen Seelentiefen, dem Gefühl einer berauschten Nacht und den anbahnenden Geldsorgen schwelgend, mit Lautstärke gegen nervende Normen rebellierend und in Wirklichkeit die treibenden Beats zum reinen Selbstzweck nutzend. Ein Lebensgefühl, welches sich am Ende von sonstigen Hintergründen löst und in einem halben Rausch die Nacht auf seine trotz dem Tempo langsame Art feiert und am Morgen danach schon der nächsten Nacht entgegenblickt. Paul Kalkbrenner beweist sich dabei als solider Schauspieler und guter Musikmacher - und im Grunde geht es um Musik, aus der Umgebung wie aus sich selbst gegriffen und in den Puls einer Generation umgewandelt.

 

6.5/10

 


 

Big Fish


  Ein Denkmal für die Macht der Fantasie in prächtig-kitschigem Gewand. Wer braucht schon Wahrheit, wenn es Märchen gibt, welche irgendwann wahrer als jedes echte Geschehnis werden - wenn sie nämlich vom ganzen Herzen kommen und den Größenwahnsinn des menschlichen Geistes in Legenden für die Ewigkeit manifestieren? Tim Burton verschiebt seine morbiden Einfälle auf eine zweite Ebene und zelebriert auf der äußeren Schicht die entfesselteste Vorstellungskraft auf Erden, mit einer solchen Hingabe, dass man das Wort "Lüge!" nicht einmal zu denken wagt. Und wenn sich am Ende Fantasie und Realität vereinigen und der Fluss des Lebens sich in Tränenströmen manifestiert, dann weiß man: Das ist allergrößtes Gefühlskino, berauschend, erfüllend, unvergesslich.

 

8.5/10



 

Bin-Jip


  Irgendwie unbeschreiblich.

 

8.5/10

 


 

Blood Simple

 

 

Präzise tickt das Coen´sche Uhrwerk und langsam, aber sicher bewegen sich Menschen auf ihr Verderben zu, welches immer wieder zu einem hämischen Grinsen ansetzt, sobald ein Opfer in dessen Armen landet. Einige der Szenen sind durch ihre nüchterne und spröde Darstellung so authentisch, dass man beinahe hineingreifen möchte - aber auch nur beinahe, denn dieser Morast aus Betrug und Gewissenslosigkeit ist wirklich nichts Angenehmes. Ein wegweisendes Regiedebüt , welches man als trocken bezeichnen könnte, wäre es nicht so von Blut durchtränkt.

"Wissen Sie, dass die alten Griechen den Überbringern schlechter Nachrichten den Kopf abgeschlagen haben?" - "Das hat auch nichts geändert." - "Nein. Aber sie fühlten sich besser danach."

 

8/10

 


 

Blue Velvet


     Ein zweischneidiges Schwert: Zum einen die etwas "normale" Machart, zum anderen die teils sehr bizarre Story, zum einen interessante und morbide Ideen, zum anderen will sich kein richtiger Zusammenhang ausbilden, zum einen etwas behäbig, zum anderen: Beim Lied "Blue Velvet" schmelze ich schnell dahin. Aber dann erinnere ich mich an das (bessere) Lied in "Eraserhead" und dann auch an die anderen Werke von David Lynch und denke: "Er kann es auch besser, irgendwie." "Blue Velvet" ist skurill - aber nicht so skurill wie manch anderer Filme von David Lynch. Er ist manchmal verstörend, aber eben nicht so verstörend, wie ich es eigentlich gewohnt bin. Er entlarvt, aber er entlarvt nicht soviel, wie man es zunächst erwarten mag. Er ist nicht wirklich Mainstream - aber für Lynch ist er etwas zuviel Mainstream. Dafür ist Isabella Rosselinni toll, Kyle Maclachlan sowieso und über Dennis Hopper muss man nicht viele Worte verlieren, einige ausgefallene Ideen bleiben im Kopf und an vielen Stellen regiert ein morbier, gemeiner Humor. Um den zu erblicken, muss man jedoch kurz aus der Stimmung des Filmes heraustreten, seinen etwas sarkastischen Charakter erkennen. Dann kann man auch wirklich Spaß mit ihm haben, selbst wenn man die grandiose Wirkung von "Mulholland Drive" oder "Eraserhead" oder "Lost Highway" oder welchem seiner Filme auch immer vermisst. Dann bleibt er einem als ein "guter" Film in Erinnerung - leider nicht mehr, doch gewiss auch nicht weniger.

 

7.5/10

 


 

Borat

 

  Die Ausgangsidee ist grandios, eine perfekte Steilvorlage für eine ungeschminkte Dokumentation der Realsatire unserer Welt - wäre sie doch nur vernünftig genutzt worden. Stattdessen verschenkt "Borat" sein Potenzial an pubertäres Herumgegurke, bei dem man teilweise den verwirrten Gesichtsausdrücken der beteiligten Amis sehr gut nachfühlen kann - im ersten Moment freut man sich auf ein Gespräch zwischen Borat und einem konservativen Politiker, im nächsten wird man Zeuge davon, wie dieses nach einem einigermaßen komischen, aber belangslosen Gag wieder abgebrochen wird. So fügen sich Slapstickszenen an Splapstickszenen, von denen einige nicht einmal besonders witzig sind - dennoch erreicht der Film zwischendurch wenige Male die Größe, die man sich von ihm erhoffen kann. Wenn Borat bei seinem Rodeo-Auftritt in seiner Rede "May George W. Bush drink the blood of all women and kids in Iraq!" proklamiert und dabei (noch) bejubelt wird, dann wird der Film zur bestmöglichen For der Satire, ebenso bei Borats Besuch christlicher Fanatiker, deren ekstatischer Wahnsinn auf verstörende Art und Weise zu amüsieren vermag. Wenn er mit seinen Fragen auf Akzeptanz oder gar Zustimmung stoßt, hält Borat einer ganzen Gesellschaft der Spiegel vor: "Do you have slaves?" - "We should!" Wenn er sich jedoch Opfer aussucht, die es gar nicht verdienen, welche zu sein, oder denen, die sich zum eigentlichen Zwecke des Projekts eignen würden, mit Selbstzweck-Provokation ohne Treffer begegnet, dümpelt der Film weit unter seinem möglichen Niveau. Immerhin sind Anfang und Ende gelungen ("We don't have Running of the Jew any longer - it's cruel! We Christians now!" => *Bild eines an ein Kreuz gebundenen Juden, der mit einer Mistgabel gestochen wird* => klasse!), zudem gebührt Sasha Baron Cohen gewiss Respekt für seine körperliche Tabulosigkeit beim Umsetzen seiner (irgendwie unvergesslicher und das nicht nur im negativen Sinne) Figur - unterm Strich bleibt unter Betrachtung der Stärken und Schwächen leider ein nur mittelmäßiger Film.

 

5/10

 


 

Brazil


  "DON´T SUSPECT YOUR FRIEND - REPORT HIM!"

In einer Welt, genauestens überwacht und protokolliert von Menschen, die zum Überwachen von Statuen kaum geeignet wären, sterben Unschuldige wegen toten Fliegen, Terroristen sind mit Klempnerausrüstung unterwegs und reparieren illegal Rohre, welche alles durchziehen, wie Adern eines riesigen und sinnlosen Ungeheuers, und alternde Frauen kämpfen gegen die Zeit, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg: "My complication had a small complication..." Während die absurde Essenz des Kafkaesken, George Orwells größenwahnsinniger Selbstzweckstaat und Monthy Pythons ungehemmter Wahnwitz versessen darum ringen, die Richtung des Films zu bestimmen, entflieht ein Kleinangestellter dem verwirrten Alltag in seinen Träumen, fliegt von allem Papierkram des Universums befreit seiner Liebe entgegen und hat den gesamten schnaufenden Apparat im Nacken, sobald er diese in der Wirklichkeit zu finden glaubt. Am Ende bleibt tatsächlich nicht nur ein wildes Treiben im Gedächtnis, sondern eine verdammt böse Satire auf alles, was ein Menschenleben ohne belegendes Dokument nicht anerkennt und seine Augen und Hände selbst auf der Toilette nicht von seinen Bürgern lassen kann - grell, grotesk und grandios. Ohne jeden Zweifel Terry Gilliams bester Film mit dem vielleicht zynischsten Happy End der Filmgeschichte.

 

9.5/10

 


 

Breaking The Waves

 

Der subjektive, persönliche, ehrliche Glaube schlägt den dogmatisierten, in Konventionen und sinnlosen Verboten versunkenen Kirchenglauben und dass es tatsächlich so ist, das teilt einem der Himmel persönlich mit, in einer famosen letzten Einstellung, wunderschön und unvergesslich. Aber da wir hier in einem Werk des großen Lars von Trier sind, ist selbst diese Erfüllung irgendwie ein Schlag in die Fresse. Doppelbödige "Von Huren und Heiligen"-Mär, mit einer manipulativ intensiven Leistung von Emily Watson, einem auf grandiose Weise nicht-passen-wollenden Soundtrack, im Grunde wahrscheinlich wieder eine polemische Dauerverarsche, aber dem seltsamen Dänen kaufe ich alles ab und zahle noch extra drauf, nur um zu sehen, wie seine Filme abheben, ohne jemals vom Boden loszukommen. Ach, was rede ich da, einfach nur großartig, anschauen und glücklich sein - und wer das nicht kann, hat den Lars nicht ganz erfasst, schätze ich. Oder ich sehe das alles ganz falsch, was eigentlich nur logisch wäre - egal, klasse Film, Punkt, fertig, aus.

 

8.5/10

 


 

Brick

 

 

   Wer sich nie wünschte, in seiner Schule Drogendealern und Mördern zu begegnen und sich nie vom Gedanken "Man sollte niemandem trauen"erfüllen ließ - der wird "Brick" wohl nicht verstehen können.

   Wer nie davon träumte, in tödliche Machenschaften zu geraten und vordergründig so emotional wie ein Kühlschrank als Sieger ohne Siegesfanfaren aus dem Treiben zu treten und dabei eine latente Wut in sich zu tragen, welche die Sonne zum Eiswürfel degradiert - der wird "Brick" wohl nicht genießen können.

   Wer nie versuchte, für Augenblicke so cool und zynisch zu sein wie die Lieblingsantihelden aus den Filmen, die man sich reinzieht, um wieder von einer unerfüllten Sehnsucht nach dem dreckigen Abgrund hinter der nächsten Hausecke beherrscht zu werden - der wird "Brick" wohl nie fühlen können.

   Doch wer gerne "Noir" mit Erfüllung, Gerechtigkeit mit Gesetzmissachtung, Inszenierung mit echter Ehrlichkeit und Stil mit Kunst gleichsetzt, der wird - möglicherweise - in "Brick" die Erfüllung seiner nie eingestandenen Wünsche finden.

   Wie ein kleines Geschenk einer längst vergangenen Zeit, mit Coolness und einem Augenzwinkern serviert, ist "Brick" der sympathischste Möchtegern der letzten Jahre und die beste Erfüllung von latenten Teenagerfantasien seit "Donnie Darko".
    Und ein weiteres Indiz für die Überlegung, dass die Hölle zu einem eiskalten Ort wird, sobald wir lernen, sie zu genießen.

 

9/10

 


 

Bringing Out The Dead

 

Das Ziel: Menschenleben retten. Der Auftrag: Den zum vierten Mal hintereinander am Straßenrand vor Hunger und Alkoholdunst vergammelnden Obdachlosen ins Auto schleppen, bei der Fahrt nicht am Gestank verenden und am schwarzen Wächter der Schwelle zwischen dem Dahinsiechen auf dem Krankenhausboden und dem Dahinsiechen in verschwitzen Bettlaken vorbeikommen. Der Morgen naht und man will schlafen oder aussteigen, am besten beides und da nichts geht, geht nichts über einen Kaffee, aber ein paar Straßen weiter will ein Junkie sterben und nimmt einem die Lust am Leben. Relaxen im optisch durchaus cleanen Drogenparadies, aber die Geister der Vergangenheit beißen einen wieder in den Hintern. Seit Monaten niemanden mehr gerettet, aber jetzt liegt ein Mann im Krankenbett und atmet wieder, aber er will es ja gar nicht, so ein Mist aber auch. Ach, da sind Gedärme um eine Eisenstange gewickelt, also muss man den Kopf halten, wenn es etwas heißer wird. Das kommt davon, wenn man so wenig isst, sonst wären es nur gebroche Beine, aber läuft schon, gibt Schlimmeres. Komm mit, im Krankenhaus kannst du vernünfitg sterben, darfst sogar auswählen wie. Die Tochter des Alten ist übrigens süß, auch wenn es jeder schonmal getan hat, aber als ob das in den Kopf passt. Und dich habe ich nicht sterben lassen, verschwinde endlich! Jazz an, Blaulicht an, vergiss den Kaffee, vergiss den Schlaf, es geht weiter, Drogen rauben indirekt mein Leben. Es braucht schon einen Autostunt des gläubigen und notgeilen Partners, um über den ganzen Wahnsinn lachen zu können. Dann aber auch richtig. Das Ziel: Irgendwann ruhig schlafen können. Läuft.

 

8.5/10

 


 

Brokeback Mountain


  Ein guter Liebesfilm, der sich durch seine besondere Thematik vielerorts einen Ruf als Meisterwerk erspielt und sicherlich auch wichtig ist, auch heutzutage, aber im Endeffekt doch eine Romanze nach bereits bekannten Regeln bleibt. Dass die Langatmigkeit nicht zu Langeweile verkommt, liegt an den tollen schauspielerischen Leistungen (Jake geht ja mal richtig ab), an den schönen Aufnahmen (endlich schaut die Kamera auch mal auf die Wolken) und an einigen wirklich tollen Szenen ("Wer ein echter Mann sein will, muss Football gucken!"). Das körperliche Zusammentreffen der beiden war entgegen der Befürchtungen auch nicht abstoßend oder unangenehm, nur die Zärtlichkeit von Analverkehr, die werde ich wohl nie verstehen können. Und am besten gefielen mir noch die Szenen, in denen die beiden mit Frauen reden. "Brokeback Mountain" ist Arthouse-Liebesdrama durch und durch, die bei einigen sicherlich die Angewohnheit, "schwul" als Schimpfwort zu benutzen, austreibt, aber da diese bei mir eh nicht vorhanden ist, macht mir das auch nicht viel aus. Gutes halbkontroverses Hollywoodkino, für Masse wie Cineast voll und ganz genießbar.

 

7/10

 


 

Broken Flowers


  Bill Murray spielt anscheinend mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch - seine Figur bleibt dennoch als eine vielschichtige im Gedächtnis, wird sie doch präzise durch die Umgebung, in der sie agiert, charakterisiert, durch die Besuche der Vergangenheit, die sie unternimmt, um an eine Erkenntnis zu gelangen, die keine ist. Details wie unterschiedliche Essensteller - hier ein saftiges Hähnchen, was man beinahe riechen kann, da ein geometrisch perfekt angeordneter Spießerteller, so appetitlich wie ein kubistisches Gemälde - ein zuckersüßes "Lolita"-Zitat und ein toller Soundtrack machen die Odyssee zu sich selbst zu einem melancholischen und zutiefst menschlichen Erlebnis, langsam, aber niemals langatmig, lakonisch, aber niemals nichtssagend ist. Ein Gefühl, ein Augenzwinkern, eine leise Ironie, ein Film, der vieles ungesagt lässt - aber wieso reden, wenn man auch fühlen kann? Einer von Jim Jarmuschs besten Filmen, by the way.

 

8.5/10



 

Bubba Ho-Tep


  Ein sensibles und zugleich verdammt cooles Gefühlsporträt eines Menschen, der in Alter und Vergessen unterzugehen droht, sich aber denoch gegen ein stilles Ende zur Wehr setzt. Und das alles in einer ungewöhnlichen und durchgeknallten Horrorstory und mit Figuren, die aus den hanebüchensten Verschwörungstheorien stammen und mehr gegen Impotenz und Altersschwäche zu kämpfen haben als gegen die titelgebende Mumie. "Bubba Ho-tep" geht an vielen Stellen in angenehmen Trash über, doch die wichtigsten Momente sind die des plötzlich wieder vorhandenen Selbstrespekts, die der stillen Rebellion gegen die Ignoranz der Jungen und Lebensfrohen. Gefühlskino der ganz anderen Art, mit tollem Soundtrack und grandiosen Darstellern, durchgedreht und respektvoll zur selben Zeit.

 

8/10

 


 

Burn After Reading

 

   Eine wunderbar subversiv-sinnlose Satire über den Irrglauben an die eigene Wichtigkeit und die Allmacht, gar stets präsente Existenz von Geheimorganisationen, deren unendliches Wissen alles und jeden durchdringt, mit gut gelaunten und selbstironischen Schauspielern - nur der eigentliche Humor, der fehlt doch in den meisten Szenen.Das öftere Fehlen von Pointen ist im Nachhinein zwar die wichtigste Pointe von allen, doch der erwartete Unterhaltungswert leidet leider darunter, Szenen enden, bevor sie ihren Witz entfalten können, und man fragt sich hin und wieder, ob man wirklich in einem Coen-Film ist. Die naiven Figuren, die zwischen Selbstsucht und Paranoia sich durch ein Nichts von Schicksal durchschlagen, auf der Suche nach jedem Fünkchen Aufmerksamkeit und Wichtigkeit, das sie abkriegen können, sorgen aber zumeist durch ihre bloße Anwesenheit für ein kleines, gemeines Grinsen. Ein etwas anderer Coen-Film, nicht so hirnlos wie seine Einzelkomponenten manchmal scheinen, aber bei all dem Hintersinn irgendwie halbgar.

 

6.5/10

 


 

Butterfly Effect


  Von der Faszination und der Fatalität von Zeitreisen. In MTV-Optik wird Ashton Kutcher durch Fehlentscheidungen gehetzt, bis er versteht, dass es in jeder Lage noch schlimmer kommen kann. Das geht von Explosionen über Pädophile bis hin zu gequälten Hunden und wartet nach jeder geöffneten Tür im Hotel der Alternativuniversen mit bösen Überraschungen auf, vor denen man nur zur nächsten, noch böseren Tür fliehen kann. Voll von schwarzem Humor und auf eine hinterhältige Art so unterhaltsam, dass man über die Logiklöcher in einer rasanten Hetzjagd nach einer Möglichkeit zum Wiedergutmachen springt, ohne sie überhaupt zu bemerken.

 

8/10

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