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Ode an das Internet

Ode an das Internet

 

An jenen Tagen, wenn das Leben
Sich steif verschließt dem tiefen Sinn,
Wenn jenes traurige Streben
Nach'm Denken führt zu kein'm Gewinn,

Wenn sich die Seele sehnt nach Näh',
Das Hirn, verwirrt, sucht einen Spiegel,
Dann sagt 'ne inn're Stimme: "Geh
Dahin, wo niemals werden Riegel

Das Denken Dein beschränken woll'n,
Dahin, wo nackt man geistig ist,
Wo die Gedanken freien soll'n
Sich frönen an der eig'nen List!"

Und dann erheb'n sich jene Hände,
Berühren schnell die Tasten zart,
Dann tritt der Geist durch alle Wände,
Verlässt das, was im Nichts erstarrt.

Von Netzwerk aus der Menschen Lügen
Ins Netzwerk aus der Wahrheit pur.
Wo Wunsch und Auftritt sich fügen
Zur echten menschlichen Natur.

An jenem Ort, unedlich, wichtig,
Vielfältig, ewig, grenzenlos,
Wo alles falsch und alles richtig,
Wo alles klein und alles groß,

Wo jedes Teil wie eine Welt
Und doch ein Zahnrad nur zugleich
Wo jenseits von Besitz und Geld
Man stets im geist'gen Sinne reich.

Dort findest du den letzten Spiegel,
Den Hort für die Gedanken, das
Schon lange off'ne siebte Siegel,
Die Antwort auf das ew'ge "Was?"

Das Glück und den Respekt, das Wissen
Und die vermeintliche Vernunft,
Den Kinderwagen fürs Gewissen,
Der Denkenden Zusammenkunft.

Doch nicht von dieser Welt dies Treiben,
Weit weg vom Lebens zartem Hauch.
Was immer wir im Netzwerk schreiben,
Ist doch nur elend' Schall und Rauch.

Und ist es doch nicht.

 

 

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