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Der Aufstieg in die Tiefe

Der Aufstieg in die Tiefe

 

Wir standen an der Schwelle. Lauschten starr den leisen Stimmen,
Die zärtlich zu uns flüsterten: "Kommt, tretet doch herein!"
Mit staunend Augen sahen wir das Licht der Freiheit glimmen
Und glaubten, als man uns versprach: "Ihr werdet glücklich sein!"

Wir griffen die Erfüllung, hielten fest sie in den Händen.
Sie zappelte wie wild; die Angst davor, dass sie zerbricht,
Ertränkten wir im Rausch der Nacht und zwischen warmen Lenden
Und im besessen-fröhlichen Verzicht auf den Verzicht.

Wir waren sicher: Jetzt führt uns die Treppe nur nach oben.
Was hinten blieb, vergaßen wir, als wär' es nie gescheh'n.
Bemerkten nicht, wie sich die Reue und die Schuld verwoben
Und nicht die Augen von uns ließen, um den Fall zu seh'n.

Wir schritten stets voran, wie blind, besessen von dem Willen
Nach mehr und mehr und mehr und wieder mehr.
Laut lachend in der Menge, doch verzweifelt in der Stille
Und langsam nur erahnend, dass die Welt entzwei und leer.

Wir fühlten uns geborgen, doch der Schoß, in dem wir lagen,
Er zeigte sich als kalte Hölle, welche bald gebar
Den Zweifel an dem Sinn, den Zorn, das ewige Versagen
Und jenen Tag, an dem man merkt: Nichts auf der Welt ist wahr.

 

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