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88 1/2

88 1/2 (Des Führers Monolog)

 

Stillgestanden, meine Hunde!
Weilet still und leis´ bei mir.
Lecket sauber eure Wunde,
Das Masochisten größte Gier.

Hört auf mich! Denn ich bin der,
Der euch jetzt leitet. Hört ihr das?
Denn mich habt ihr bestimmt und mehr
Und mehr genieße ich den Spaß.

Die Freiheit, die so langsam drohte,
Euch zu vernichten, ist jetzt hin.
Im schwarzen Grabe liegt die Tote,
An ihrer Stelle ich jetzt bin.

Gen Himmel steigt der Kirchen Rauch
An meines Denkmals Aug´ vorbei.
Ich freue mich, ihr freut euch auch.
Gefangene, doch wähnt euch frei.

Bellet, Hunde, schön im Chore
Eine Hymne auf mein Licht.
Habt keine Sorgen, meine Tore,
Verlassen werde ich euch nicht.

Wie könnt´ ich? Ihr seid meine Kinder,
Mein Fleisch und Blut, mein Geist und Hirn.
Der Herrschaft mutiger Erfinder
Verbirgt sich hinter meiner Stirn.

Geheiligt wird mein Name, bis
Die ganze Welt ihn beten soll.
Der Menschheit Sinn hat einen Riss,
Mit meinen Worten läuft er voll.

Einst ich den wahren Führer fand,
Als ich in meinen Spiegel sah.
Jetzt glaubt daran das ganze Land
Und nie die Menschheit blinder war.

 

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