Navigation

Filme, die man gesehen haben sollte - Teil 3

Filme, die man gesehen haben sollte - Teil 3

   Es gibt einfach zu viele Filme, die weiterempfohlen gehören. Und es werden gewiss nicht weniger. In dem Sinne: Weiter geht's mit den außergewöhnlichsten, schönsten, schlauesten und schlicht und einfach besten Filmen aller Zeiten!



#21: "Fight Club" (US 1999, Regie: David Fincher)

     
             

Worum geht's:

   Edward Norton ist der namenlose Erzähler, der an traurigen Einfalt des Durchschnittsmenschen verzweifelt und Trost in Selbsthilfegruppen von todkranken Menschen sucht - bis ihm eine durchtriebene Helena Bonham Carter den Spaß daran verdirbt. Doch das ist dann kein Problem mehr, denn Edward begegnet Brad Pitt alias Tyler Durden, der sich zur Definition von "abgefuckt" ernannt hat und so richtig viel Lust verspürt, der Welt aufs Maul zu hauen. Und aus Menschenfett hergestellte Seife ist dabei erst der Beginn seines Feldzugs gegen die Moderne.

Was ist so toll daran:

   Der grenzenlose Zynismus, mit dem David Fincher in der Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Chuck Palahniuk (welches unbedingt gelesen werden sollte, da mindestens mal genausogut wie der Film!) unsere heutige Gesellschaft demontiert, dem Zuschauer eine Stütze aus Wut und Coolness anbietet und am Ende auch diese wegschlägt. "Fight Club" ist eine Urgewalt von einem Film, ein ewiger Schlag in das hässliche Gesicht des Mainstreams und der Verlogenheit der Welt und zugleich ein höchst subversives und manipulatives Werk über den Drang nach Freiheit. Nach "Oldboy" und "Stalker" der wohl geilste Film aller Zeiten, dessen Genialität man erleben muss, um sie glauben zu können.

=>
Rezension auf Moviereporter.net


#22: "Synecdoche, New York" (US 2008, Regie: Charlie Kaufman)

 
          

Worum geht's:

   Um den menschlichen Egoismus, um die Unfähigkeit, sich als einen Menschen unter vielen Gleichartigen zu begreifen, um den unendlichen Schmerz des menschlichen Lebens und um die Unmöglichkeit einer Besänftigung, um das lächerliche Streben nach Wichtigkeit und Unendlichkeit und um die Erkenntnis, die viel zu spät kommt, um noch etwas verändern zu können. Sprich: Um all das, was uns dazu verleitet, unsere Sorgen über die der anderen zu stellen und uns so einsam zu fühlen, als wäre man alleine auf dieser Welt.

Was ist so toll daran:

   Der Moment nach dem Schauen, in dem man feststellt, dass man am liebsten sterben würde. Und der Augenblick, in dem man sich dazu entscheidet, es doch nicht tun zu wollen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht weil man noch die Chance hat, es anders zu machen, weil man sich überhaupt eingeredet hat, dass es auch anders geht. Es gibt nicht viele Filme, die so desillusionierend sind wie Kaufmans existenzielles Drama auf unzähligen Ebenen - sein vielschichtiges, intelligentes und schonungslos ehrliches Werk gehört zu den größten Meisterwerken der letzten Jahre und ist schon jetzt ein Film für die Ewigkeit. Und Philipp Seymor Hoffman beweit wieder einmal, wieso er zu den Besten seiner Generation gehört.

=>
"Synecdoche, New York" - ein Hauch von Glück und Verzweiflung

=>
Rezension auf Moviereporter.net


#23: "Watchmen" (US 2009, Regie: Zack Snyder)

          

Worum geht's:

   Um eine bitterböse und unendlich sarkastische Alternativfassung des Kalten Kriegs, in der Möchtegern-Superhelden im Ruhestand sich einer ungewissen Bedrohung stellen müssen, die das Ende der Welt bedeuten könnte. Und am Ende kommt alles doch ganz anders.

Was ist so toll daran:

   Die Tatsache, dass Zack Snyder die geniale Graphic Novel von Alan Moore in einen audiovisuellen Rausch mit angenehm kontroverser Wirkung verwandelt und dabei sogar das ohnehin schon göttliche Ende mit einem geschickten Kniff noch besser macht (auch wenn er einen verdammt wichtigen Satz auslässt, aber das sei ihm ausnahmsweise mal verziehen). Die ständige Kritik von wegen "Verrat an der Vorlage", "Actionpornographie und Soap-Opera-Dialoge" oder "Zynisches und menschenverachtendes Machwerk" ist lediglich ein Zeichen für die subversice Wirkung des Films, der ein gewisses Maß an Hintersinn erfordet, um wirklich verstanden werden zu können. "Watchmen" ist eine stilistisch perfekte Parabel auf die Unmöglichkeit einer objektiv richtenden Gewalt und zugleich - wie es der Regisseur selbst sagt - ein äußerst gelungener Werbeclip für die noch bessere, da detailreichere Vorlage.


#24: "Komm und sieh!" (RUS 1985, Regie: Elem Klimov)

           

Worum geht's:

   Um Krieg und was er mit Menschen macht, physisch wie psychisch.

Was ist so toll daran:

   Die traumatisierende Wirkung, die wohl kein anderer Film so erschafft. Gegen "Komm und sieh!" wirken "Full Metal Jacket", "Apocalypse Now" und "Der schmale Grat" ("Der Soldat James Ryan" sowieso) wie Ausflüge in einen Vergnügungspark - hier bekommt man die wahre Fratze des Krieges zu sehen, seine wahre Grausamkeit zu spüren. Die zu Beginn noch etwas behäbige Erzählweise erhält einen ersten Bruch, wenn Bombeneinschläge ein verrücktes Kinderspiel im Wald unterbrechen - was folgt, ist der Abstieg in eine Hölle auf Erden, die den Atem stocken und das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Ende ist eine Eskalation von Gewalt, Wut, Verzweiflung und Wahnsinn, die kaum auszuhalten ist und zum Verstörendsten gehört, was die Filmgeschichte zu bieten hat. Seit der ersten Sichtung habe ich die DVD nie wieder angefasst und es könnte gut sein, dass das so bleiben wird - "Komm und sieh!" ist die endgültige filmische Grenzerfahrung, die in dieser Form wahrscheinlich (und hoffentlich!) nie überboten wird. Dass der Regisseur einst sagte, er habe in dem Film nicht die ganze Wahrheit gezeigt, macht das Ganze noch schrecklicher, als es ohnehin schon ist.

=>
Rezension auf Moviereporter.net


#25: "Uhrwerk Orange" (GB 1971, Regie: Stanley Kubrick)

         

Worum geht's:

   Um Gewalt, individuell wie institutionell. Und um den netten Teenager Alex, der in seiner Freizeit am liebsten Menschen verprügelt, ausraubt und vergewaltigt und irgendwann zum "perfekten Bürger" gemacht wird - auf eine Art, welche selbst schlimmste Gewalt darstellt.

Was ist so toll daran:

   Das moralische Dilemma, welches der Film dem Zuschauer präsentiert, wenn es um die Bekämpfung von Gewalt in der Gesellschaft geht. Und natürlich Kubricks grandiose Machart, die mit stilsicher designten Szenenbildern, zum Niederknien schönen Einstellungen und einer göttlichen musikalischen Untermalung dem essentiellen Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft eine audiovisuelle Hülle verleiht, die noch hundert Jahre später beeindrucken wird. "Uhrwerk Orange" ist eine gnadenlose und gnadenlos gute Satire auf die menschliche Gewalt, die wahrscheinlich in alle Ewigkeit aktuell bleiben wird und sowohl Klassiker als auch Kultfilm zugleich ist. Und natürlich sollte das (übrigens brutalere) Buch auch gelesen werden.

=> Rezension auf Moviereporter.net

 


#26: "Boulevard der Dämmerung" (US 1950, Regie: Billy Wilder)

 
            

Worum gehts:

   Um den mäßig erfolgreichen Drehbuchautor Joe Gillis, der durch Zufall an eine alternde und vom Publikum längst vergessene Stummfilmdiva gerät, die verzweifelt ihre Rückkehr (das Wort "Comeback" verabscheut sie nämlich) in die Filmbranche plant.

Was ist so toll daran:

   Die herrliche Demontage der Traumfabrik, die auch heute noch beeindruckt. Neben den obligatorischen Aspekten wie dem Konflikt zwischen künstlerischer Freiheit und Massenkompatibilität porträtiert Wilder hier die Vergänglichkeit von Berühmtheit und Ruhm und die Flucht vor dieser. Wer hiernach noch nicht vom Film überzeugt ist, hat hiermit mein Ehrenwort, dass die letzte Szene in ihrer Größe und in ihrem Größenwahnsinn zum Besten gehört, was die Filmgeschichte an Schlussszenen zu bieten hat - etwas derart Episches muss man einfach erlebt haben. Ein zu Unrecht unbekannter Klassiker, der diesen Titel wahrhaftig verdient, bissig und schonungslos ehrlich.

=>
"Boulevard der Dämmerung" - Ein Abgesang auf die Vergänglichkeit von Berühmtheit


#27: "Letztes Jahr in Marienbad" (AT, FR, IT, DE 1961, Regie: Alain Resnais)


            

Worum geht's:

   Um einen Ort, der vielleicht Marienbad ist, an welchem ein Mann eine Frau, die er vielleicht mal getroffen hat, davon zu überzeugen versucht, dass sie ihm einst versprochen hat, dass sie irgendwann mit ihm weggeht, wohin und wieso auch immer. Sie kann sich nicht erinnern, oder verdrängt es vielleicht einfach nur, um die beiden herum laufen Menschen, die lebloser als die Wände des Hotels zu sein scheinen, ein geheimnisvoller Mann hält sich auch in der Nähe auf, die Kamera schwebt wie im Rausch durch die immer gleichen Gänge, die von den immer gleichen Gesprächen beschallt werden und am Ende weiß man gar nicht mehr, was, wohin, wieso und wer.

Was ist so toll daran:

   Die rauschhafte Wirkung, die der optisch zumeist doch recht bodenständige Film nach und nach entwickelt. Eine Erklärung sucht man hier vergebens, "Letztes Jahr in Marienbad" ist vielmehr eine Mischung aus Puzzleteilen, die alle zu einem anderen Bild gehören, und nichtsdestotroz eine faszinierende Erfahrung, dessen Gänsehauteffekte zum Schluss auch ohne eine Antwort eine sogreiche Wirkung schaffen, der man sich nur schwer entziehen kann. Erklären kann man den Film ohnehin schlecht, man muss ihn gesehen, erlebt, gefühlt haben, am besten irgendwann mitten in der Nacht, in absoluter Dunkelheit, um am Ende sich von einem mysteriösen und wahrlich gruseligen Schlussatz in die letzte Trance zu versetzen, der man sich immer und immer wieder hingeben kann. Ein Meisterwerk des surrealen Films, der weniger in seiner Optik, sondern vielmehr in seiner Wirkung eine überirdische Präsenz entwickelt. Ganz große Kunst.

=>
"Letztes Jahr in Marienbad" - Gedicht


#28: "Sin City" (US 2005, Regie: Robert Rodriguez)

 
            

Worum geht's:

   Um den Schläger Marv (Mickey Rourke), welcher eine getötete Nutte rächen will, um den Draufgänger Dwight (Clive Owen), der zwischen die Fronten von Prostituierten, Gangstern und Cops gerät, und um den Cop Hartigan, der einem perversen Pädophilen jagt. Und um ganz viel durchtriebenes Gesindel.

Was ist so toll daran:

   "Sin City" ist weder tiefgründige Charakterstudie noch existenzielles Drama und das ist auch verdammt gut so. Der Film, der auf der durchgestylten Graphic Novel von Frank Miller basiert, präsentiert sich als nicht minder durchgestyltes Neo-Noir-Kunstwerk voller skurriler Figuren und gewürzt mit exploitativer Gewalt, die die nötigen Rottupfer in die Schwarz-Weiß-Ambiente bringt. Dazu gibt es ein Staraufgebot, wie man es nur selten zu sehen bekommt, eine stilsichere Musikuntermalung und so viel Coolness, dass es für ein Dutzend erinnerungswürdiger Filme reichen würde. Gewaltverherrlichung? Vielleicht. Aber wenn sie so virtuos präsentiert wird wie hier, kann man sie nur genießen. So macht man Kultfilme.


#29: "Blade Runner" (US 1982, Regie: Ridley Scott)

           

Worum geht's:

   Um die Frage nach dem Lebenswert eines Roboters, verpackt in einen wunderbar pessimistischen Sci-Fi-Noir-Actionthriller, in welchem die Sonne nur in Werbeclips scheint.

Was ist so toll daran:

   Die düster-faszinierende Optik, die stets mit Licht und Schatten spielt, die elektronisch-epische Musikuntermalung von Vangelis, Harrison Ford in seiner coolsten und besten Rolle und die tiefsinnige und schonungslose Geschichte. Der vielleicht beste Science-Fiction-Film aller Zeiten ist audiovisuelles Kunstwerk und philosophisches Drama zugleich, dessen Ende einem alle Hoffnungen zerstörenden, fiesen Lachen gleichkommt und einen nie wieder loslässt. Einige Längen im Mittelteil können etwas störend wirken, stellen im Grunde aber nur einen Anlauf für den ekstatischen Showdown, der physisch wie psychisch eine selten so gesehene Wucht erreicht. Und für alle, die diesen Trip noch vor sich haben: Achtet auf die Einhörner!

=>
Rezension auf Moviereporter.net


#30: "Zwei glorreiche Halunken" (ES, IT 1966, Regie: Sergio Leone)

           

Worum geht's:

   Um drei Western-Antihelden (schließlich heißt der Film im Original "The Good, the Bad and the Ugly", pfui auf die deutsche Übersetzung), die nach einem Goldschatz suchen und sich gegenseitig nach allen Regeln des Genres hintergehen.

Was ist so toll daran:

   Ein Film, der hier stellvertrendend auch für alle anderen Western des großen Sergio Leone steht: "Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr", der ebenso gute "Spiel mir das Lied vom Tod" und der großartig andersartige und sträflich unbekannte "Todesmelodie". Knappe drei Stunden lang hetzt er hier seine Figuren durch eine Welt, in der man niemandem trauen kann, lässt sie mal gegeneinander, mal gemeinsam kämpfen, inszeniert jede Schießerei und jeden Dialog mit einer nur ihm zueigenen Präzision, welche die Spannungen zwischen den Charakteren sicht- und spürbar werden lässt - und das alles unterlegt vom epischen und unvergleichlichen Soundtrack von Ennio Morricone, welcher dem Ganzen eine ganz besondere Würze verleiht. Das Ende ist eiskalt und verdient einen eigenen Schrein - an die Coolness von Leones Revolverhelden kommt kein heutiger Möchtegern-Gangster heran.

Nach oben